Auftrag für MTU Aero Engines: Die Serienproduktion des Triebwerks für die CH-53K beginnt

Die Sikorsky CH-53K ist die neueste und modernste Version des schweren Transporthubschraubers CH-53, der auch bei der Bundeswehr fliegt. Das U.S. Marine Corps (USMC), weltweit einer der größten Betreiber der CH-53, hat sich vor einigen Jahren dazu entschieden, die älteren Versionen durch die komplett überarbeitete CH-53K zu ersetzen.

MTU ist an Serienproduktion beteiligt

Der schwere Hubschrauber wird von drei Triebwerken des Typs General Electric GE 408 angetrieben. Am 12. Februar begann die Serienproduktion des Triebwerks, an dem der deutsche Treibwerkshersteller MTU Aero Engines mit 12 Prozent beteiligt ist. Das Vertragsvolumen liegt bei zunächst 22 Triebwerken im Wert von über 143 Millionen US-Dollar, damit das Marinecorps 2019 seine erste CH-53K-Staffel in Dienst stellen kann. Das USMC plant, insgesamt 200 Maschinen zu beschaffen. Deutschland hat Interesse für 41 Maschinen angemeldet, aber noch keinen Auftrag erteilt. Israel interessiert sich ebenfalls für die CH-53K, hat aber bisher nur eine Absichtserklärung abgegeben.

Ob und wann die Bundeswehr ihre ersten Sikorsky CH-53K erhalten wird, ist noch völlig offen. Um den Auftrag bewirbt sich auch der US-Konzern Boeing mit der CH-47 „Chinook“, der etwa in derselben Größen- und Leistungsklasse rangiert und von der U.S. Army und vielen anderen Armeen eingesetzt wird. Die Entscheidung ist nicht allein eine Preisfrage oder eine Frage, ob das nötige Geld überhaupt bereitgestellt wird.

Die Verantwortlichen werden außerdem abzuwägen haben zwischen einer bereits bestehenden Logistik, wie sie für die ältere CH-53 besteht, oder den Vorteilen einer NATO-weiten Versorgung, wie sie die wesentlich verbreitetere CH-47 „Chinook“ mitbringen würde. Sollte sich die Bundeswehr für die CH-53K entscheiden, würde MTU Aero Engines die Wartung und Instandhaltung der Triebwerke übernehmen.

MTU Aero Engines ist mit 18 Prozent an der Produktion der Triebwerke für die Sikorsky CH-53K beteiligt. (#01)

MTU Aero Engines ist mit 18 Prozent an der Produktion der Triebwerke für die Sikorsky CH-53K beteiligt. (#01)

Die Geschichte des T408: MTU und General Electric kooperieren

Die Entwicklung des T408 begann 2006. Seit seinen ersten Prüfstandläufen ist das T408 rund 8900 Teststunden gelaufen und fliegt mit gutem Erfolg in den Prototypen und ersten Serienmaschinen der CH-53K. Das T408 bietet zahlreiche Verbesserungen gegenüber dem General Electric T64-Triebwerk, das die ältere CH-53E antreibt. Während die CH-53E ebenfalls dreimotorig ausgelegt ist, verfügen die wesentlich älteren CH-53G/GS-Hubschrauber der deutschen Luftwaffe lediglich über zwei Triebwerke. Außerdem sind die deutschen Hubschrauber Ableitungen aus der CH-53D, dem längst ausgemusterten Vorgänger der CH-53E.

Die Sikorsky CH-53K kann mit ihren drei Triebwerken 12 Tonnen mehr Ladung als ältere Versionen befördern. Damit verdreifacht sich die Ladekapazität. Außerdem kann die neue CH-53K fast das doppelte Gewicht an Außenlasten im Vergleich zur älteren E-Version tragen. Ein einzelnes T408 leistet 7 7378 PS oder 5 595 kW. MTU liefert die dreistufige Nutzturbine, das Austrittsgehäuse und die Antriebswelle. Außerdem erhält MTU auch die Lizenzen für Instandhaltung, Endmontage und die nötigen Testläufe.

Die Sikorsky H-53-Familie

Die CH-53K ist die jüngste Version der H-53-Hubschrauberfamilie, deren erster Prototyp am 14. Oktober 1964 zum Jungfernflug startete. Die ersten Maschinen aus der Serie wurden 1966 ausgeliefert und bildeten von da an das Rückgrat der schweren Hubschrauberstaffeln des USMC. Die Hubschrauber operierten an Land, aber auch von den großen Hubschrauberträgern, die die U.S. Navy üblicherweise zur Unterstützung ihrer amphibischen Operationen einsetzt.

Die CH-53 bewährte sich und wurde weiterentwickelt, erhielt stärkere Triebwerke, sogar Panzerung und Bewaffnung. Unter der Bezeichnung HH-53C führte auch die U.S. Air Force den Typ ein, um abgeschossene Flugzeugbesatzungen in feindlichem Gebiet zu retten. Die HH-53C erhielt ebenfalls Zusatzpanzerung und bis zu drei schwere Maschinengewehre. Hinzu kamen Staubfilter, Zusatztanks und eine ausfahrbare Luftbetankungssonde zur Reichweitensteigerung.

Die nächste Version war die RH-53D, ein Spezialhubschrauber für Minenräumeinsätze, der im Landeraum Minenräumgeschirr mitführte, das er über die offene Heckrampe zu Wasser lassen konnte.

Anfang der 1980er Jahre folgte dann die dreimotorige CH-53E, von der auch eine Minenräumversion MH-53E produziert wurde. Die MH-53 ist bis heute bei der U.S. Navy und bei den Japanischen Maritimen Selbstverteidigungs-Streitkräften im Einsatz. Die U. S. Air Force ersetzte ihre HH-53 durch das Kipprotorflugzeug HV-22 „Osprey“.

Diese deutsche CH-53 wurde 2015 bei einer Vorführung in Rostock-Laage aufgenommen. Hubschrauber dieses Typs fliegen seit 1972 in der Bundeswehr. (#02)

Diese deutsche CH-53 wurde 2015 bei einer Vorführung in Rostock-Laage aufgenommen. Hubschrauber dieses Typs fliegen seit 1972 in der Bundeswehr. (#02)

Sikorsky CH-53 im Dienst der Bundeswehr

Zu den Exportkunden gehörte neben Israel, dem Iran, Japan und Österreich auch die Bundesrepublik Deutschland, die zwischen 1972 und 1975 insgesamt 112 Maschinen in Lizenz bauen ließ. Die Hubschrauber rüsteten damals drei Transporthubschrauber-Regimenter der Heeresflieger mit der CH-53 aus. Im Zuge von Einsparungen wurde im Laufe der Jahre die Zahl der Maschinen reduziert, sodass heute nur noch rund die Hälfte zur Verfügung steht – vorausgesetzt, sie sind überhaupt flugbereit.

2012 führte eine der vielen Bundeswehrreformen dazu, dass die CH-53 der Luftwaffe unterstellt wurden. Mittlerweile sind die Maschinen mehrfach modernisiert worden – aus finanziellen Gründen betraf das jedoch nie die ganze Flotte. Also fliegt die Bundeswehr heute vier verschiedene Unterversionen. Die CH-53 soll bis spätestens 2030 ausgemustert und ersetzt werden. Eine Entscheidung für ein bestimmtes Muster ist jedoch nicht nicht gefallen.


Bildanchweis:© Titelbild: MTU Aero Engines/Sikorsky -#01: MTU Aero Engines/Sikorsky -#02: Bundeswehr/Oliver Lang

Über Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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