Flugzeugabsturz Chapecoense: wie alles passierte…

Der Flugzeugabsturz: Chapecoense schockierte uns alle! Es ist die Nacht vom 28.11.2016 in Medellín in Kolumbien – dramatische Schreie dringen durch die Nacht. Mitten in die kolumbianischen Berge ist eine Chartermaschine abgestürzt mit 77 Menschen an Bord – darunter auch die brasilianische Erstliga-Fußballmannschaft AF Chapecoense. Beim Unglück starben insgesamt 71 Menschen und es gab nur sechs Überlebende. Wir berichten über die dramatischen letzten Sekunden und wie das Unglück geschah. Außerdem klären wir die Absturzursache und berichten, wie es mit dem AF Chapecoense weitergeht.

Wie und wo fand der Flugzeugabsturz Chapecoense statt?

Das Flugzeug der Fluggesellschaft Lamia befand sich etwa 30 km von Medellín entfernt, als es vor einem 3000 m hohen Berg abstürzte. Die Piloten hatten zuvor dem Tower technische Probleme geschildert. Mit an Bord: die Fußballmannschaft des brasilianischen Clubs AF Chapecoense. Sie waren gerade auf dem Weg zum Finalspiel gegen Atlético Nacional aus Medellín, um das Hinspiel um den Südamerika Cup zu bestreiten. Da die Luftfahrtbehörde in Brasilien einen Direktflug von São Paulo nach Medellín nicht genehmigt hatte, musste das Team zu Plan B greifen und einen anderen Flugweg wählen.

Zunächst ging es per Flugzeug nach Santa Cruz in Bolivien und von dort dann mit einer Chartermaschine der Gesellschaft Lamia vom Typ Avro RJ85 in Richtung Medellín. Ein Sprecher der Luftfahrtbehörde gab an, dass es Hinweise auf eine fehlerhafte Bordelektronik in der Maschine gegeben habe. Andere Experten hingegen vertraten die Meinung, dass Treibstoffmangel die Unglücksursache sei. Denn es gab keine Explosion beim Aufprall. Doch kann es auch an der Maschine selbst gelegen haben? Zumindest der Flugsicherheitsexperte Jan-Arwed Richter vom Hamburger Flugunfallbüro Jacdec sieht hierfür Anzeichen und berichtet, dass die Länge der Route für eine Maschine des Flugzeugtyps, welcher beim Flugzeugabsturz Chapecoense eingesetzt wurde, zumindest grenzwertig gewesen sein. Denn mit einer Zuladung von 8 bis 10 t kann eine Avro RJ85 höchstens 2964 km fliegen. Allerdings beträgt die Entfernung zwischen den Flughäfen exakt 2973 Kilometer – eine Differenz von lediglich 9 km.

Was war der Flugzeugabsturz Chapecoense Grund?

Noch immer herrschen Spekulationen über den tatsächlichen Grund für den Flugzeugabsturz Chapecoense. Zwar wurden Stimmrekorder und Flugdatenschreiber der Maschine inzwischen geborgen, doch es ist immer noch unklar, wann diese komplett ausgewertet sein werden. Die Flugsicherheitsbehörde geht allerdings von Treibstoffmangel als Grund aus. Doch es gibt einige Aussagen von Augenzeugen und Experten, die den widersprechen. Lag es beim Flugzeugabsturz Chapecoense tatsächlich an einem Treibstoffmangel, oder gab es andere Gründe?

Der Staatschef von Brasilien, Michel Temer, hat nach dem Unglück eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Die 71 geborgenen Toten wurden nach Brasilien überführt und für die 19 gestorbenen Spieler und einem Großteil des Fußballbetreuerstabs inklusive der 20 mitreisenden Journalisten wurde eine zentrale Trauerfeier abgehalten. Auch der ehemalige Torwart Lutz Pfannenstiel äußerte sich entsetzt über den Tod des Großteils der Fußballmannschaft, denn der 43-jährige hat den Fußballklub bei seiner Station in Brasilien persönlich kennengelernt. Er berichtet, dass es für solch einen kleinen Verein eine Besonderheit ist, es in der Copa Sudamericana überhaupt so weit zu schaffen. Dass dann auch noch ein Flugzeugabsturz geschieht, sei der helle Wahnsinn.

Das berichten Überlebende über den Flugzeugabsturz Chapecoense

Eine der wenigen Flugzeugabsturz Chapecoense Überlebenden ist die Flugbegleiterin Ximena Suarez Otterburg. Sie berichtet von technischen Problemen, die es kurz vor dem Unglück gab. Etwa 40 bis 50 Sekunden vor dem Absturz begannen die Lichter in der Maschine der Fluggesellschaft Lamia zu flackern und gingen letztendlich aus. Nur wenige Sekunden später schlug die Maschine auf die Erde auf. Laut Suarez war das Flugzeug für solch eine lange Strecke überhaupt nicht geeignet. Denn die Bezeichnung RJ100 der genutzten Maschine stünde für Regional Jet (RJ). Sie wurde für kurze Strecken um die 2 Stunden Flugzeit entwickelt.

Die Spekulationen der Absturzursachen beim Flugzeugabsturz Chapecoense häufen sich. Warum sechs Leute den Absturz überhaupt überleben konnten, ist bis heute nicht geklärt. Es existieren Spekulationen, dass sie ganz einfach auf den richtigen Plätzen saßen und sich richtig verhielten. Ein ebenfalls überlebendes Crew-Mitglied aus Bolivien namens Erwin Tumiri berichtet, dass er den Sicherheitshinweisen gefolgt ist und sich einen Koffer zwischen seine Beine gestellt hat. Dabei habe er eine Embryo Stellung eingenommen – die meisten anderen Passagiere hätten beim Flugzeugabsturz Chapecoense allerdings geschrien und seien aufgestanden.

Eine äußerst brisante Aussage eines Piloten einer anderen Maschine: er behauptete das Gespräch des Piloten der Unglücksmaschine und des Towers in Medellín gehört zu haben, während er an der Unglücksstelle vorbeiflog. Demnach sollen die Piloten um Bevorzugung beim Laden gebeten haben, da sie Kerosinprobleme hatten. Allerdings gab der Tower kein o. k., sondern bevorzugte stattdessen ein Flugzeug der Fluggesellschaft VivaColômbia, das ebenfalls Probleme hatte. Da sich dieses bereits in der Notlandung befand, konnte die Unglücksmaschine nicht bevorzugt werden. Kurz darauf meldete der Lamia Pilot ein elektrisches Versagen und bat um Hilfe, eine Landepiste zu finden – ein allzu guter Nährboden für Flugzeugabstürze.

Wie ergeht es den überlebenden Fußballspielern beim Flugzeugabsturz Chapecoense?

Drei Fußballer vom Club Chapecoense hatten den Absturz überlebt, allerdings befanden sich alle drei in einem äußerst kritischen Zustand. So musste zum Beispiel dem Reservetorhüter Jakson Follmann das rechte Bein amputiert werden und es drohte der Verlust des linken Beins. Der Abwehrspieler Hélio Hermito Zampier Neto hatte nicht nur mehrere offene Brüche, sondern auch ein Schädel-Hirn-Trauma. Ein weiterer Abwehrspieler – Alan Ruschel – war der erste Gerettete von der Unglücksstelle beim Flugzeugabsturz Chapecoense und er erlitt Verletzungen an der Wirbelsäule und es drohte eine Querschnittslähmung.

Nicht zu den Überlebenden gehörte der letzte Held des Clubs AF Chapecoense. Er konnte zwar aus der Maschine beim Flugzeugabsturz Chapecoense lebendig geborgen werden, verstarb allerdings kurze Zeit darauf im Krankenhaus. Nur wenige Tage vor dem Flugzeugabsturz Chapecoense galt Danilo noch als Held des Fußballvereins, weil er in der 95. Minute einen Schuss abhielt und damit seinem Verein das 0:0 gegen San Lorenzo aus Argentinien rettete. Mit dieser Leistung wurde der Einzug ins Finale erreicht, wo gegen Atlético Nacional gespielt werden sollte und womit das Unglück und der Flugzeugabsturz Chapecoense seinen Lauf nahm.

Welche Flugzeugabsturz Chapecoense Opfer gibt es?

Kurz nach der Meldung mussten die kolumbianischen Behörden die Todeszahlen des Flugzeugabsturz Chapecoense von 75 auf 71 korrigieren. Denn anders als gemeldet befanden sich nicht 81 Passagiere, sondern 77 Personen an Bord. Vier Personen hätten die Reise nicht angetreten, darunter unter anderem der Bürgermeister der Stadt Chapecó. Aus dieser Stadt stammt übrigens der Fußballclub Chapecoense.

Ebenfalls unter den Opfern des Flugzeugabsturz Chapecoense befindet sich auch der Ex Nationalspieler aus Brasilien: Mário Sérgio Pontes da Paiva. Er reiste mit dem Team von Chapecoense als Sportjournalist für „Fox Sports“, um über die Begegnung zu berichten. Mario war 1983 dabei, als der Hamburger SV im Weltpokal Endspiel in Tokio von Grêmio Porto Alegre mit einem 2:1 bezwungen wurde. Er trug in den 1980er Jahren mehrmals das Trikot der brasilianischen Nationalelf. Unter den 20 die Fußballmannschaft begleitenden Journalisten überlebte nur ein einziger. Ebenfalls gerettet wurde der argentinische Fußballprofi Alejandro Martinuccio – allerdings durch puren Zufall. Denn er konnte verletzungsbedingt nicht mit dem Team Chapecoense zum Finalhinspiel nach Kolumbien reisen. Nun zählt er dank seiner Verletzung zu der Handvoll überlebenden Profis des Fußballklubs.

Fußballstar Lionel Messi flog ebenfalls mit der Unglücksmaschine

Die argentinische Nationalmannschaft mit ihrem Starspieler Lionel Messi ist nur drei Wochen vor dem Flugzeugabsturz Chapecoense mit demselben Unglücksflieger unterwegs gewesen. Denn gemäß Angaben der Deutschen Presseagentur wurde exakt die selbe Maschine von der Mannschaft für den Hin- und Rückflug zum Weltmeisterschaft Qualifikationsspiel gegen Brasilien eingesetzt, welches in Belo Horizonte mit 0:3 ausging.

Messi war dann nach seiner Anreise aus Barcelona auf dem Rückflug mit an Bord der Maschine. Argentinien trat daraufhin einige Tage später zu Hause gegen Kolumbien an und weil das Flugzeug damals in Buenos Aires mit 3 Stunden Verspätung landete, musste der Nationaltrainer Edgardo Bauza ein geplantes Training streichen.

Warum gab es eine Geldstrafe für Chapecoense?

Weil nun Chapecoense nicht zum Meisterschaftsspiel antreten konnte, hagelte es trotz Trauer eine Geldstrafe gegen den Fußballklub. Der brasilianische Fußballverband zeigte sich herzlos gegen den Verein, der fast sein gesamtes Team beim Absturz verlor. Denn weil der Fußballverein nicht sein geplantes Match in der Südamerika Meisterschaft antreten konnte, wurde der Club zu einer Geldstrafe von rund 30.000 € verdonnert. Damit nicht genug: es wurde auch noch ein Punktabzug in Höhe von zwei Zählern verhangen.

Auch der Gegner sollte ursprünglich eine Geldstrafe zahlen. Auf Anfrage dementierte das brasilianische Sportgericht und gab an, dass am 1. Dezember 2016 vereinbart worden wäre, dass die Geldstrafe nichtig sei und es keine weiteren Sanktionen gebe.

Wie es mit den Überlebenden der Fußballmannschaft weiterging

Zu den Überlebenden vom Flugzeugabsturz Chapecoense zählte auch Alan Ruschel – er erzählte später unter Tränen, was tatsächlich in der Unglücksmaschine passiert ist, denn einer seiner Mitspieler hatte ihm das Leben gerettet. Dies schilderte der 27-jährige Fußballer auf einer sehr emotionalen Pressekonferenz, nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Mit tränenerstickter Stimme berichtete er, was sehr unheimlich anmutet: denn er hatte eigentlich einen ganz anderen Sitzplatz gebucht und hat sich kurz vor Start umgesetzt – diesem Umstand hat er vermutlich sein Leben zu verdanken.

Äußerlich ist Ruschel weitgehend unverletzt geblieben, doch aufgrund einer Operation an der Wirbelsäule muss er teilweise im Rollstuhl sitzen. 18 Tage nach dem Absturz wurde er aus dem Hospital entlassen. In dem Interview schildert er, wie er sich weiter nach vorne gesetzt hat, um es den 20 begleitenden Journalisten zu ermöglichen, näher beieinander zu sitzen. Erst wollte er wohl nicht, bis er seinen Mitspieler Jack Follmann bemerkte, der ihn aufforderte, neben ihm Platz zu nehmen. Dort, wo Ruschel ursprünglich gesessen hatte, waren beim Absturz alle tot.

Ebenfalls überlebt hatte der Torhüter Follmann – also derjenige, den der Fußballer sein Leben verdankte. Ihm musste allerdings ein Bein amputiert werden. Auch Follmann hatte somit enormes Glück beim Flugzeugabsturz Chapecoense. Der 24-jährige wird allerdings nie wieder Fußball spielen können – im Gegensatz zu Alan Ruschel. Der Torhüter hat gleich nach Entlassung aus dem Krankenhaus dem Vereinspräsidenten mitgeteilt, dass er in einigen Monaten wieder auf dem Platz stehen will.

Erstes Spiel nach dem Flugzeugabsturz für Chapecoense

Am 21. Januar 2017 war es dann soweit: das erste Spiel nach dem Flugzeugabsturz Chapecoense. In der zweiten Halbzeit ging „Chape“ sogar in Führung, ehe der Gegner zum 2:2 ausglich. In der 71. Minute gab es jedoch noch einmal eine Besonderheit: für 60 Sekunden wurde die Partie unterbrochen um den 71 Toten vom Flugzeugabsturz Chapecoense zu gedenken. Sämtliche Stadionbesucher applaudierten und es ertönte tausendfach der inzwischen weltweit bekannte Ruf: „Vamos, vamos, Chape.“ Auch für Jackson Follmann war es ein unglaublicher Moment: er wurde im Rollstuhl in die Arena geschoben. Schließlich ist es ein Wunder, dass er den Absturz an einem Berg überlebte und aus dem Wrack herausgezogen werden konnte. Tausende Menschen auf den Rängen jubelten ihm in grün-weißen Trikots zu – und er weinte.

Gemeinsam mit dem Torwart betreten auch Alan Ruschel und Neto das Spielfeld. Somit waren alle drei überlebenden Fußballer des Flugzeugabsturz Chapecoense anwesend. Das Team musste vollkommen neuformiert werden und besteht überwiegend aus Neuzugängen. Die Einnahmen des Spiels gingen insgesamt an die Hinterbliebenen vom Flugzeugabsturz Chapecoense und der Sport war hier Nebensache. Mit einem 2:2 wurde allerdings ein großer Achtungserfolg erzielt. Die beiden Überlebenden Ruschel und Neto hoffen, demnächst selber wieder mitspielen zu können. Vor Anpfiff des Spiels wurde Follmann der Pokal ausgehändigt, den seine verstorbenen Kameraden eigentlich auf dem Spielfeld gewinnen wollten. Denn der eigentliche Finalgegner Atlético Nacional Medellín hatte beantragt, dass Chapecoense den Titel des Copa Sudamericana verliehen bekommt. Er ist in etwa vergleichbar mit dem Pokal der Europa League und ist mit einem Preisgeld von 2 Millionen Dollar ausgestattet.

Den Pokal nahm Follmann mit Tränen in den Augen entgegen, denn dies ist vermutlich eine der traurigsten Ehrungen in der gesamten Geschichte des Fußballs. Hinter ihm stehen die Witwen der verstorbenen Spieler und Betreuer – viele der anwesenden Kinder haben ihre Väter verloren. Kein Konfetti wird geworfen und viele liegen sich in den Arm. Das Areal ist erfüllt von „Chape“-Gesängen und dieses Mal scheint auch die Sonne. Als im selben Stadion Anfang Dezember die Särge während der Trauerfeier hier aufgebahrt waren, regnete es in Strömen. Übrigens gab es gegen den Gegner im Benefizspiel – Palmeiras – auch das letzte Spiel in der Liga vor der Flugzeugabsturzkatastrophe. Damals sicherte sich der Club mit einem 1:0 Sieg die brasilianische Meisterschaft – die erste seit 22 Jahren. Der Verein wurde nach dem Flugzeugabsturz Chapecoense weltweit bekannt und gewann dadurch mehrere Zehntausend neue Mitglieder. Im Sommer 2017 wurde „Chape“ sogar zu einem Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona eingeladen, welches im Nou Camp stattfinden wird.


Bildnachweis: © unsplash.com – Madi Robson

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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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