Erfolg für Start-Up: Volocopter testet Lufttaxis in Singapur

E-volo gehört zu den jungen Luftfahrtunternehmen, die mit ihren Produkten neue Wege im Luftverkehr beschreiten wollen. Das Unternehmen arbeitet seit Oktober 2011 am Volocopter, einem Senkrechtstarter für zwei bis vier Personen mit elektrischem Antrieb.

Volocopter: ein Hubschrauber mit E-Antrieb

Das Fluggerät ist ein neuartiges Hubschrauber-Konzept, bei dem achtzehn Rotoren an einer ringähnlichen Tragekonstruktion über der Kabine montiert sind. Dadurch kann ein Volocopter wie ein Hubschrauber starten und landen, ist gleichzeitig aber auch mechanisch weniger komplex als ein klassischer Hubschrauber. Umlenkgetriebe, Rotorblattverstellung, Taumelscheiben oder ein Heckrotor fehlen. Gesteuert wird ein Volocopter durch Erhöhung oder Verringerung der Motordrehzahl. Der Pilot kann dank der automatischen Höhe- und Lageregelung einen Volocopter über einen Joystick fliegen. Dagegen hat eine Hubschraubersteuerung gleich drei Kontrollelemente.

Im vergangenen Jahr begann der Volocopter-Prototyp Testflüge über Dubai, weil e-Volo mit der Transportbehörde des Golfstaates beim Aufbau eines modernen städtischen Verkehrssystems zusammenarbeitet. Anfang Oktober gab e-volo auf der Autonomy-Konferenz in Paris bekannt, dass das Unternehmen sein Fluggerät auch in Singapur testen wird. Das Unternehmen wird dabei mit dem Verkehrsministerium Singapurs, der zivilen Luftfahrtbehörde CAAS sowie der Behörde für Wirtschaftsentwicklung zusammenarbeiten. Mit den für die zweite Hälfte 2019 geplanten Flügen will e-Volo zeigen, dass Volocopter erfolgreich und zuverlässig als innerstädtische Transportmittel genutzt werden können. Außerdem will das Unternehmen vor Ort ein Produktionsdesign- und Ingenieursteam aufbauen und so die Grundlage für die weitere Expansion legen.

Ein Volocopter vor der New Yorker Skyline.  (#5)

Ein Volocopter vor der New Yorker Skyline. (#5)

Volocopter in Singapur

“Wir stehen in den Startlöchern, die ersten festen Flugtaxi-Strecken in Städten umzusetzen,” sagte Florian Reuter, CEO von Volocopter. “Singapur ist ein logischer Partner: Die Stadt ist Pionier in Technologie und Stadtentwicklung. Die Zusammenarbeit ist ein weiterer wichtiger Schritt hin zu unserem Ziel, Flugtaxis zu realisieren.”

E-volo bietet seinen Volocopter als Flugtaxi der zivilen Luftfahrtbehörde  von Singapur an. (#2)

E-volo bietet seinen Volocopter als Flugtaxi der zivilen Luftfahrtbehörde von Singapur an. (#2)

“Lufttaxis oder eVTOLs haben das Potenzial, Mobilität und Logistik in Städten nachhaltig zu verändern. Volocopter steht bei dieser innovativen Technologie an der Spitze der Entwicklung der Luftfahrtindustrie. CAAS freut sich, mit Volocopter zusammenzuarbeiten. Wir werden die technischen Möglichkeiten untersuchen, entsprechende Betriebsrichtlinien gemeinsam erarbeiten und die Flugerprobung in Singapur ermöglichen,” erklärte Ho Yuen Sang, Direktor für Luftfahrtindustrie der Luftfahrtbehörde CAAS.

Volocopter nutzen wie viele neuere Projekte für leichte Flugzeuge und Fluggeräte elektrische Antriebe. Sie fliegen mit zwei Personen an Bord rund 30 Kilometer weit und sollen speziell in Innenstädten verkehren. In Deutschland fliegen Volocopter seit 2016 mit einer vorläufigen Verkehrszulassung. Zudem bemüht sich e-Volo um eine kommerzielle Zulassung durch die europäische Agentur für Flugsicherheit EASA.

Vom ersten Volocopter zum Testbetrieb über Dubai

Am 21. Oktober 2011 gelang Thomas Senkel vom Team e-volo der weltweit erste bemannte Flug mit einem elektrisch angetriebenen Multicopter. (#1)

Am 21. Oktober 2011 gelang Thomas Senkel vom Team e-volo der weltweit erste bemannte Flug mit einem elektrisch angetriebenen Multicopter. (#1)

Das erste Fluggerät in dieser Konfiguration, die VC-1, flog im Oktober 2011 zum ersten Mal. Es war auch weltweit der erste Flug eines Hubschraubers mit elektrischem Antrieb. Ab Mitte 2012 baute e-Volo, unterstützt durch Fördermittel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, den Doppelsitzer VC 200. Der VC 200 flog erstmals am 17. November 2013, damals noch unbemannt. Der erste bemannte Flug folgte drei Jahre später, am 30. März 2016.

Aus der VC 200 entwickelte e-Volo den Volocopter 2X mit Platz für zwei Personen. Er ist in Deutschland mittlerweile als Ultraleicht-Luftfahrtgerät zugelassen. Der Volocopter 2X soll auch als Demonstrator für zukünftige Lufttransportsysteme dienen. In Zukunft könnten sie über kleine Stadt- und Landflächen die bestehenden Verkehrsnetze entlasten und zusätzliche schnelle Punkt-zu-Punkt-Verbindungen anbieten. Für die Megacities der Zukunft wären sie daher eine sinnvolle Ergänzung zu herkömmlichen Transportmitteln wie etwa den Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs.

Volocopter könnten auf speziellen Plattformen mitten in der Stadt landen, sodass Passagiere direkt in Straßenbahn oder Auto-Taxi umsteigen können. (#3)

Volocopter könnten auf speziellen Plattformen mitten in der Stadt landen, sodass Passagiere direkt in Straßenbahn oder Auto-Taxi umsteigen können. (#3)

Zur Zeit erprobt e-Volo seinen Multicopter im Golfstaat Dubai. Hier stieg ein Volocopter am 25. September 2017 erstmals zu einem autonomen Flug auf. Der Flug dauerte acht Minuten, wobei der Multicopter bis in 60 Meter Höhe aufstieg. Das Fürstentum will bis 2030 etwa ein Drittel seines innerstädtischen Nahverkehrs autonom, also mit selbstlenkenden Fahrzeugen betreiben. Zu diesem Nahverkehrssystem sollen auch Volocopter gehören. Der Testbetrieb in Dubai soll bis 2022 laufen. Danach wird sich entscheiden, ob Multicopter reguläre Fluggäste durch den Himmel über der High-Tech-Metropole am Persischen Golf befördern.

Zentrale Service-Stationen für die Volocopter könnten auf Wolkenkratzern eingerichtet werden. (#4)

Zentrale Service-Stationen für die Volocopter könnten auf Wolkenkratzern eingerichtet werden. (#4)


Bildnachweis: © #1 Johannescalade via Wikimedia Commons, #2 + #3 + #4 + #5 + Titelbild Volocopter,

Über Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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