DLR auf der MAKS 2017: Starke deutsche Präsenz in Moskau

Die alle zwei Jahr stattfindende MAKS (Meschdunarodny Awiazionno-Kosmitscheski Salon oder Internationaler Luft- und Raumfahrtsalon) ist das russische Gegenstück zu großen westeuropäischen Luft- und Raumfahrtmessen wie der ILA in Berlin oder dem Aero Salon in Paris-Le Bourget. In Moskau erlebte das DLR auf der MAKS 2017 seinen bisher größten Auftritt.

DLR auf der MAKS 2017: Starke deutsche Präsenz auf der Messe in Moskau

Die MAKS findet auf dem Flugplatz Schukowski der Michail-Gromow-Hochschule für Flugforschung in Schukowski in der Nähe von Moskau statt. Erstmals ausgerichtet wurde die MAKS im Jahr 1993.

Das Erdbeobachtungsprogramm „Copernicus“ sammelt Daten für eine Vielzahl von Anwendern in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Die neuen „Sentinel“-Raumsonden werden speziell für dieses Programm gebaut.

Das Erdbeobachtungsprogramm „Copernicus“ sammelt Daten für eine Vielzahl von Anwendern in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Die neuen „Sentinel“-Raumsonden werden speziell für dieses Programm gebaut.

Über die Jahre hat sich auf der MAKS eine starke deutsche Präsenz entwickelt, so wie es im Gegenzug einen umfangreichen russischen Pavillon auf der ILA in Berlin gibt. Trotz der sich erneut anbahnenden Block-Konfrontation zwischen West und Ost gibt es weiterhin starke wirtschaftliche und wissenschaftliche Verbindungen zwischen Deutschland und Russland. Dem trägt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit einer eigenen 120 Quadratmeter umfassenden Präsenz auf der MAKS Rechnung.

Es ist gleichzeitig eine Leistungsschau der wichtigsten Projekte aus Weltraumforschung, Satellitenmissionen und auf der Internationalen Raumstation ISS. Unter den Exponaten sind ein neues Weltraumteleskop, eine Sonde, die auf einem Asteroiden landen soll sowie ein Forschungsvorhaben für autonome Rover zur Erforschung extremer Umwelten.

DLR auf der MAKS 2017: Auf der Suche nach Dunkler Materie

Wohl das exotischste Projekt auf der MAKS 2017 ist das Weltraumteleskop „eROSITA“, mit dem Astronomen auf die Suche nach der so genannten Dunklen Materie gehen wollen. „eROSITA“ steht für „extended Roentgen Survey with an Imaging Telescope Array“ oder „ausgedehnte Röntgen-Durchmusterung mit einem bildgebenden Teleskop-Bündel“.

Dienen zur Suche nach Dunkler Materie: Spiegelmodule von eROSITA.

Dienen zur Suche nach Dunkler Materie: Spiegelmodule von eROSITA.

Die Existenz der Dunklen Materie ist bisher noch nicht ausreichend durch Beobachtungen nachgewiesen, obwohl Erkenntnisse und Modellrechnungen aus der Theoretischen Physik und der Kosmologie darauf hindeuten. Auch zahlreiche Beobachtungen der Astronomie lassen sich nur durch die Existenz dunkler Materie erklären. Dunkle Materie ist nicht direkt sichtbar. Sie reflektiert oder absorbiert kein Licht und fließt – wahrscheinlich – durch die Helle Materie, aus alles besteht, was wir sehen können, einfach hindurch. Allerdings geht von ihr Gravitation oder Schwerkraft aus.

Und die heutige Gestalt von Galaxien, Galaxienhaufen, auch die beobachtete Verteilung von Galaxien im All sowie die Verteilung von Sternen in unserer Milchstraße lassen sich nur erklären, wenn man die Existenz von Dunkler Materie und der von ihr abgestrahlten Gravitation unterstellt. Wissenschaftler schätzen, dass rund achtzig Prozent der Materie im Universum Dunkle Materie ist.

Das deutsch-russische Weltraumteleskop „eROSITA“ soll nun mit seinen Röntgenaugen nach weiteren Hinweisen auf die Existenz dieser rätselhaften Substanz suchen. Das DLR-Teleskop wird 2018 an Bord des russischen „Spektrum-Röntgen-Gamma“-Satelliten ins All starten.

DLR auf der MAKS 2017: Proben sammeln auf einem Asteroiden

MASCOT oder „Mobile Asteroid Surface Scout“ ist dagegen bereits im All. Der Asteroidenlander entstand in Zusammenarbeit mit der französischen Raumfahrtagentur CNES und fliegt an Bord der japanischen Raumsonde Hayabusa-2 in Richtung des Asteroiden Ryugu. Haybusa-2 wird im Sommer 2018 sein Ziel erreichen und soll dann in eine Umlaufbahn um den Himmelskörper einschwenken.

Der Asteroidenlander MASCOT soll sich durch kurze Sprünge über seinen Ziel-Asteroiden bewegen und dabei Proben sammeln und untersuchen.

Der Asteroidenlander MASCOT soll sich durch kurze Sprünge über seinen Ziel-Asteroiden bewegen und dabei Proben sammeln und untersuchen.

Der Sonde selbst wird bei mehren extrem nahen Vorbeiflügen Material vom Asteroiden ‚einsaugen‘, um es dann zur Erde zu bringen. Dagegen soll MASCOT auf der Oberfläche landen und dort an verschiedenen Orten Messungen durchführen. Mit Schwungarmen kann der Lander dabei von einer Position zur nächsten Hüpfen – zumindest hoffen das die Forscher.

Ungewollt hatte bereits der Kometenlander „Philae“ diese Fortbewegungsart demonstriert. Abgesetzt von der Kometensonde „Rosetta“, war „Philae“ von der Kometenoberfläche abgeprallt und erst nach mehreren Hüpfern zum Stillstand gekommen.

MASCOT soll als erste Raumsonde überhaupt auf einem Asteroiden die mineralogische und geologische Zusammensetzung des Himmelskörpers untersuchen, seine Oberflächentemperatur messen und Daten über das Magnetfeld sammeln.

DLR auf der MAKS 2017: Autonome Rover für extreme Umwelten

Ebenfalls vertreten ist die ROBEX-Mission, mit der das DLR Technologien für selbstständig operierende Rover in extremen Umgebungen entwickelt. Das können fremde Himmelskörper wie Mond oder Mars sein, aber auch die irdische Tiefsee.

Die Mission ROBEX testete Robot-Fahrzeuge für extreme Umgebungen am Vulkan Ätna.

Die Mission ROBEX testete Robot-Fahrzeuge für extreme Umgebungen am Vulkan Ätna.

ROBEX steht für „Robotische Exploration unter Extrembedingungen“. Hier arbeiten das DLR und fünfzehn andere deutsche Forschungsinstitute zusammen. Im Juni 2017 führten die Forscher Experimente mit autonomen Rovern am Vulkan Ätna auf Sizilien durch. Dabei wurden Lösungen getestet, die vorher in Computersimulationen entwickelt worden waren. Auf der MAKS zeigt das DLR einen Missionssimulator, mit dem ein virtueller Rover gesteuert wird, der auf dem Mond Proben sammelt und Messgeräte im Gelände platziert.

DLR auf der MAKS 2017: Mechanische Nase für die ISS (eNose)

Um das Erschnüffeln von chemischen Substanzen geht es in einem gemeinsamen Projekt des DLR mit dem russischen Institut für Biomedizinische Probleme (IBMP).

Ab 2018 soll die eNose (eine künstliche Nase) den Gesundheits- und Stresszustand der Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS verfolgen, indem sie die Zusammensetzung der Atemgase misst. Ein derartigen Sensor war bereits an Bord der ISS. Von Dezember 2012 bis Mai 2013 fahndete die E-Nose im russischen Segment der ISS nach Bakterien- und Pilzbefall. Und das sogar recht erfolgreich. So konnte die Materialsicherheit an Bord der Station verbessert werden, denn die speziellen Umgebungsbedingungen auf der ISS sind für das Wachstum von Bakterien und Pilzen ausgesprochen günstig. Das kann zu Schäden führen, wenn diese Organismen Material und Geräte angreifen und so deren Funktionsfähigkeit beeinträchtigen.

Die eNose erspürt chemische Substanzen.

Die eNose erspürt chemische Substanzen.

DLR auf der MAKS 2017: Weltraummissionen für die Erforschung der Erde

Mit der „FireBIRD“-Mission erforscht das DLR Großbrände. Dabei beobachtet der Satellit so genannte ‚Hochtemperaturereignisse‘ aus dem Orbit und sammelt Daten für die wissenschaftliche Forschung. Hinter dem Copernicus-Programm steht eine Vielzahl von Sensorträgern auf der Erde und im Weltraum.

Dieses Programm dient dazu, Erdbeobachtungsdaten aus den verschiedenen europäischen Satellitenmissionen und aus anderen Erderkundungsprogrammen für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aufzubereiten. Dabei arbeiten die Europäische Union und die europäische Raumfahrtagentur ESA zusammen. Die Copernicus-Dienste verarbeiten große Datenmengen von Satelliten, von Flugzeugen, Schiffen und zahlreichen Bodenstationen zu kostenlosen und öffentlich zugänglichen Produkten. Anwendungsbereiche sind beispielsweise das Katastrophen- und Krisenmanagement, die Überwachung der Meeresumwelt oder der Atmosphäre. Die neuen Satelliten der „Sentinel“-Familie werden speziell für Copernicus gebaut.


Bildnachweis: ©DLR

Über Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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