Deutschland und Frankreich: Über die Arbeit in der Luftfahrtindustrie

Immer mehr Arbeitnehmer kehren Deutschland den Rücken und suchen ihr berufliches Glück im Ausland. Frankreich ist mit der Hauptstadt Paris, mit den unzähligen Sehenswürdigkeiten und der Kultur eines der beliebtesten Auswanderungsziele. Aber auch andere französische Städte ziehen magisch an.

Gerade für Arbeitnehmer, die in der Luftfahrtbranche beschäftigt sind, kann Frankreich einiges bieten. Bei der Suche nach einem passenden Stellenangebot und allen Unklarheiten und Fragen kann eine deutsch-französische Personalberatung behilflich sein.

Luftfahrt made in Germany: Über die deutsche Luftfahrtindustrie

In Deutschland dominiert die Airbus Group die Luftfahrtbranche. Daneben gibt es aber auch viele kleinere Zulieferunternehmen der militärischen und auch der zivilen Luftfahrt, welche die Branche mit viel Innovation voranbringen. Der Grundstein der deutschen Luftfahrtindustrie wurde 1955 mit der Gründung der Bundeswehr gelegt. In dieser Zeit liegen also die Anfänger der deutschen Luftfahrt. Ein Schulterschluss zwischen Deutschland und Frankreich führte fünfzehn Jahre später zur Gründung von Airbus. 1972 wurde dann der erste Airbus ausgeliefert.

Zu diesem Zeitpunkt machte die deutsche Luft- und Raumfahrtbranche einen Jahresumsatz von 1,9 Milliarden Euro und beschäftigte 56 500 Arbeitnehmer. Zum Vergleich: 2014 verzeichnete die Luft- und Raumfahrtindustrie mit 105 500 Arbeitnehmern und 30,6 Milliarden Euro ein Allzeithoch. Im Jahr 2013 wurden in diesem Industriezweig fast 5000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Innovationen aus der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie zeichnen sich vor allem durch eine enorme Vielfältigkeit aus. Technologien dieser Branche sind Impulsgeber und Ideenhelfer. Davon profitieren auch andere Zweige der Industrie: Unzählige Technologien und Arbeitstechniken haben in ihren Weg in andere Industriezweige und Branchen gebahnt. Dazu gehören unter anderem:

  • Mobiltelefone
  • Navigationssysteme
  • Logistikketten
  • Strategien der Katastrophenhilfe

Gerade die moderne Kommunikationswelt wären ohne die Neuerungen aus der Raum- und Luftfahrt nicht entstanden. Mobiltelefone und Navigationssysteme – ohne die Innovationen der Luftfahrtindustrie wären viele Dinge, wie wir sie heute kennen, nicht existent. Das Militär übernimmt in der Branche immer noch die Vorreiterrolle. Und das ist laut den Vertretern der militärischen Luftfahrtindustrie auch enorm wichtig. Die unzähligen Innovationen sind sicherheits- und verteidigungspolitisch von großer Bedeutung.

Sie sollen sicherstellen, dass Deutschland auch weiterhin seiner nationalen und internationalen Verantwortung gewachsen ist. In der Realität verschwimmen die Grenzen zwischen militärischer und ziviler Luftfahrtforschung immer mehr. Ein gutes Beispiel dafür ist die Entwicklung von sogenannten „unbemannten Flugsystemen“. Hat die Drohnenforschung ihren Ursprung in der Rüstungsindustrie, finden die Entwicklungen und Forschungsergebnisse zunehmend ihren Weg in die zivile Luftfahrt. Logistikdienstleister testen die Auslieferung von Paketen mit Drohen und Bastler erkunden mit ferngesteuerten Hobbydrohnen ihre Umgebung.
Die meisten Zulieferer der Branche haben sich um die klassischen Hauptstandorte angesiedelt. Zu diesen Standorten gehören unter anderem:

Hamburg

Hamburg ist mit Airbus das Zentrum des deutschen Verkehrsflugzeugbaus und damit das damit norddeutsche Zentrum der Luftfahrtindustrie. 12 000 Mitarbeiter sind im größten deutschen Airbusstandort beschäftigt. Die dort gefertigten Rumpfteile des Airbus sind so groß, dass sie per Schiff vom Hamburger Hafen aus nach Frankreich transportiert werden.

In Hamburg sitzt auch das Airbus-Kompetenzzentrum „Kabine“. Dort werden Flugzeugkabinen entworfen, konstruiert und getestet. Jeder fertiggestellte Airbus A-380 fliegt nach Hamburg, um seine, teils extrem luxuriöse Kabinenausstattung zu erhalten. In Hamburg findet zudem die Übergabe der neuen Flugzeuge statt. Zum Übergabevorgang gehört eine mehrwöchige Vorbereitungsphase mit technischen Abnahmen, Probeflügen, letzten Nachbesserungen am Flugzeug und juristisch bindenden Unterschriften.

Die meisten europäischen Kunden und alle Kunden aus dem Nahen Osten erhalten ihren A-380 in Hamburg. Bei fernöstlichen und australischen Kunden findet die Auslieferung des A-380 in Toulouse in Frankreich statt. Neben Airbus hat auch Lufthansa Technik einen Sitz in Hamburg.

Dazu kommt noch der Flughafen. An diesen drei Großunternehmen hängen über 300 Zulieferer und insgesamt 40 000 Mitarbeiter. Von der festen Anstellung über die Zeitarbeit bis zur selbstständiger Tätigkeit ist jede Beschäftigungsform vertreten. Organisiert sind die Unternehmen in den Verbänden Hanse-Aerospace und HECAS.

Manching

In Manching in Oberbayern liegt ohne Frage das Kompetenzzentrum der militärischen Luftfahrt. Von MBB über DASA, EADS und Cassidian bis hin zu Airbus Defence and Space: In Manching waren schon viele Unternehmen zu Hause. Zahlreiche Hallen und Bürokomplexe wurden in den letzten Jahrzehnten errichtet, den letzten Ausbau gab es 2008, als das „Militärische Luftfahrtzentrum von EADS Defence and Security“ in Betrieb genommen wurde. Durch diesen Ausbau wurden etwa 2500 neue Arbeitsplätze geschaffen.

In Manching liegt der Schwerpunkt auf der Endmontage des Eurofighters, der von der deutschen Luftwaffe gebraucht wird und der Ausrüstung anderer Kampfjets. Dazu gibt es in Manching ein Entwicklungszentrum, in dem Grundlagenforschung für Hochtechnologiearbeit betrieben wird. Hier liegt die Arbeit schwerpunktmäßig auf der Entwicklung von unbemannten Flugsystemen, also Drohnen.

Die Zukunft hält wenig gute Nachrichten für den Standort Manching bereit: Es fehlen relevante Aufträge. Die deutsche Luftwaffe hat die Anzahl der bestellten Eurofighter nach unten korrigiert. Von 180 auf 143. Bis 2017 sollen fast ein Viertel der 4500 Beschäftigten ihren Job verlieren. Insgesamt plant Airbus von 5800 Stellen im Militär- und Raumfahrtbereich und der Zentrale weitere abzubauen.

Einerseits erwirtschaftet die deutsche Luftfahrtindustrie also Rekordsummen, andererseits hat auch diese Branche mit ihren ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Für deutsche Arbeitnehmer, die in der Luftfahrtbranche tätig sind, kann es durchaus interessant sein, sich zum Beispiel in Frankreich eine Anstellung zu suchen. Deutsch-französische Personalvermittlungen können bei der Suche nach dem passenden Arbeitgeber in Frankreich behilflich sein.

Deutschland Frankreich mit dem Flieger ein Katzensprung

Deutschland Frankreich mit dem Flieger ein Katzensprung (#01)

Frankreichs Luftfahrtindustrie: Ein Wirtschaftszweig mit hohem Internationalisierungsgrad

Die französische Luftfahrtindustrie zeichnet vor allem durch eines aus: Ein europaweit erstklassiges Netz an Zuliefern, die sich auf die Entwicklung und Herstellung von Luftfahrtausrüstungen spezialisiert haben. Diese Zulieferunternehmen sind auf High-End-Anwendungen ausgerichtet. Durch diese so stark ausgeprägte Kooperationsstruktur ist Frankreich für internationale Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche ein attraktiver

Standort mit exzellenter internationaler Anbindung

2008 erwirtschaftete die Branche einen Jahresumsatz von 37 Milliarden Euro und beschäftigte 134 000 Arbeitnehmer. Der Gesamtumsatz im Jahr 2012 belief sich dann schon auf 42,5 Milliarden Euro mit 310 000 Beschäftigten. Die französische Luft- und Raumfahrtindustrie ist die wichtigste Exportbranche mit dem größten Handelsüberschuss.

Um der internationalen Nachfrage an Luftfahrttechnologien „Made in France“ nachzukommen, haben die Unternehmen im Jahr 2012 ihre Belegschaften um 15.000 Beschäftigte erweitert. Die wichtigen Großaufträge gehen in der französischen Luftfahrtbranche an Flugzeugkonstrukteure, an Hersteller von Raketen, Hubschrauber und Satelliten und auch Trägerraketen.

Auch die Entwickler von elektronisch gesteuerten Antriebssystemen gehören zu den Branchengewinnern. Genau wie in Deutschland dominiert auch in Frankreich Airbus die Luftfahrtindustrie. Aber auch Unternehmen wie Safran, Dassault, ATR, Arianepace und Thales bilden für etwa 4500 Erstausrüster und Zulieferer die Lebensgrundlage.

Auch die französische Luftfahrtindustrie und ihre Zulieferer setzen auf neue Technologien und Innovationen. Ein gutes Beispiel für solche Innovationen ist der Einsatz von Verbundstoffen und insbesondere von Polymer-Werkstoffen für die Entwicklung künftiger Tragflächenkonstruktionen bei Flugzeugen.

Bei der Entwicklung dieser so wichtigen Zukunftstechniken setzt die französische Luftfahrtbranche erneut auch internationale Zusammenarbeit: So betreibt zum Beispiel das japanische Unternehmen Toray gemeinsam mit dem französischen Partnerunternehmen Arkema eine Produktionsstätte für die Carbonfasern „Soficar“ in Aquitaine im Südwesten Frankreichs eine Firma, die mehr als 200 Arbeitnehmer beschäftigt.

Ohne die Zulieferer keine neuen Flugzeuge.

Ohne die Zulieferer keine neuen Flugzeuge. (#02)

Insgesamt decken die Zulieferer der französischen Luftfahrtindustrie ein sehr breites Spektrum an Spezialausrüstung ab: Zu den Produkten gehören zum Beispiel die Flugzeugtriebwerke, die gesamte Bordelektronik, Satelliten-Navigationssysteme oder auch die Innenraumgestaltung von Zivilflugzeugen. Dazu kommen Waffen- und Raketensysteme für Luftfahrzeuge der französischen Streitkräfte oder Fahrwerke.

Genau wie in Deutschland gibt es auch in Frankreich Regionen, in denen sich Unternehmen der Luftfahrtindustrie und deren Zulieferer schwerpunktmäßig ansiedeln. In Frankreich werden diese Regionen auch „Kompetenzzentren“ genannt. Zu diesen Kompetenzzentren gehören zum Beispiel:

Aerospace Valley

Das Aerospace Valley ist ein Cluster von französischen Luftfahrtunternehmen, die im Südwesten von Frankreich in Midi-Pyrénées, Aquitanien und vor allem in und rund um Toulouse angesiedelt ist. Über 800 Unternehmen aus Industrie und Forschung gehören zu diesem Zusammenschluss, darunter Airbus, Air France Industries, EADS, Honeywell und Dessault Aviation.

Das Aerospace Valley beschäftigt über etwa 120 000 Arbeitnehmer, davon sind 8500 Arbeitsplätze für die Forschung reserviert. Mit dieser Anzahl von Mitarbeitern stellt das Aerospace Valley ein Drittel der der gesamten französischen Luftfahrtindustrie. Bis 2025 haben es sich die Unternehmen zum Ziel gemacht, weitere 35 – 40 000 Arbeitsplätze zu schaffen. Seit der Gründung des Luftfahrtclusters wurden 220 Forschungsprojekte mit einem Budget von 460 Millionen Euro initiiert. Das Hauptquartier liegt in Toulouse, weitere Schlüsselstandorte sind der „Aerospace Campus“, das neue Forschungszentrum in Bordeaux und das Zentrum für Treibstoffforschung.

ASTech Paris Région

Der ASTech Paris Région-Cluster beschäftigt rund 100.000 Mitarbeiter und ist im Großraum von Paris, auch Île-de-France genannt, angesiedelt. Zu diesem Cluster von Unternehmen gehört der Großteil der brancheneigenen Arbeitsplätze, die sich mit Forschung und Entwicklung beschäftigen, sowie Großunternehmen wie Dassault Aviation, Safran und Astrium.

ASTech hat es sich zur Hauptaufgabe gemacht, Flugzeuge zu entwickeln, die sich besser der Umwelt anpassen. Das bedeutet, dass Flugzeuge leichter werden sollen. Gleichzeitig soll der Kraftstoffverbrauch und die Schadstoffemission verringern werden. Diese Ziele will ASTech mit „grünen“ Motoren erreichen und baut deswegen mehrheitlich auf die Entwicklung von elektronischem Antrieben.

Außerdem möchten die beteiligten Unternehmen die Arbeit in der Luftfahrtindustrie im Raum Paris auszubauen. Man will also die Wettbewerbsfähigkeit der Île-de-France stärken. Wie in der gesamten Luftfahrtbranche wird auch bei den Unternehmen dieses Clusters internationale Kooperation großgeschrieben: ASTech Paris Région kooperiert mit vier weiteren Luftfahrtclustern in Polen, Italien, Belgien und Brasilien.

Mit diesen hervorragenden Zahlen und Prognosen nimmt Frankreich neben Deutschland in der Luft- und Raumfahrtindustrie innerhalb von Europa einen der vorderen Plätze ein. Für deutsche Arbeitnehmer, die es nach Frankreich zieht, ist diese Branche aus durchaus attraktiv.

Deutsch-französische Personalvermittlungen: Eine Auswahl

Arbeitnehmer, die sich an eine deutsch-französische Personalvermittlung wenden, werden fachlich und rechtlich sicher beraten. Zudem kennen sich die Berater in den einzelnen Branchen gut aus und können so den passenden Job für jeden Bewerber finden. Einige dieser deutsch-französischen Personalvermittlung haben ihren Schwerpunkt auf die Vermittlung von Führungskräften gelegt, andere bieten neben der eigentlichen Vermittlung noch weitere Leistungen wie zum Beispiel interkulturelle Seminare:

  1. Eurojob Consulting
    (http://www.eurojob-consulting.com/de)

    Die 2004 gegründete deutsch-französische Personalberatung ist auf die gezielte und direkte Suche nach deutschen oder französischen Mitarbeitern in Frankreich, Deutschland, in der Schweiz, sowie in Belgien und Österreich spezialisiert.
    Das Ziel von Eurojob Consulting ist es, Kunden bei ihrer Job- oder Personalsuche zu begleiten, damit sie ihre eigenen beruflichen Ziele im deutsch-französischen Bereich verwirklichen. Bei dieser Arbeit setzt die Personalvermittlung auf ein breites, internationales Netzwerk mit über 50 000 Mitgliedern.

    Jedem Kunden wird ein Berater zur Seite gestellt, der je nach Berufszweig, Branche und geographischer Lage eine geeignete Methode für das Rekrutierungsprojekt heranzieht. Dazu gehören zum Beispiel die direkte Suche, die Suche in einer Bewerber-Datenbank oder die Veröffentlichung von Stellenanzeigen.

    Gerade wenn man im Ausland neu durchstrarten möchte, ist man mit einer Personalberatung auf der sichern Seite

    Gerade wenn man im Ausland neu durchstrarten möchte, ist man mit einer Personalberatung auf der sichern Seite (#03)

  2. EuroRekruter
    (http://www.eurorekruter.com/index.php/CurrentLanguage/2)

    EuroRekruter ist eine deutsch-französische Personalberatung, die als vermittelnde Instanz mit der eigenen Jobbörse sowohl Personal nach Frankreich als auch nach Deutschland vermittelt. Dabei richtet sich die Personalvermittlung an Bewerber, die in Frankreich arbeiten wollen und an Unternehmen, die auf Personalsuche sind. Bewerber können in den Stellenanzeigen suchen oder auch ein eigenes Suchprofil anlegen und ihren Lebenslauf hochladen.

    Dazu findet man eine große Menge an Informationen und Ratschlägen über das Leben und Arbeiten in Frankreich.
    Kunden bietet EuroRekruter einen allumfassenden Recruitingservice und kann dabei auf über 2600 registrierte, mehrsprachige Kandidaten und über 300 Firmen-Benutzerkonten zurückgreifen.

  3. gbo Human Resources
    (http://www.gbo-personalberatung.com)

    gbo Human Resources ist eine deutschsprachige Personalberatung in Paris, die seit über 20 Jahren deutschen Firmen bei ihren Personalfragen in Frankreich unterstützt. Dabei ist diese deutsch-französische Personalvermittlung in fast allen wirtschaftlichen Branchen tätig und besetzen Posten vom Geschäftsführer bis hin zum Verkaufsingenieur.

    Schwerpunktmäßig wird aber Personal aus dem oberen und mittleren Management gesucht. Bewerber können sich über ein Kontaktformular direkt an die Personalberatung wenden. Dabei achtet gbo Human Resources vor allem auf persönliche Eigenschaften des Bewerbers sowie fachliche Kompetenz und die Fremdsprachenkenntnisse.


Bildnachweis:© Fotolia-Titelbild:chalabala-#01: rafo-#02:OFC Pictures-#03:DOC RABE

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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