Airbus A321 Neo: Details der geplanten Verbesserungen

Das Modell A321 Neo von Airbus setzt neue Maßstäbe für Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge. Es besticht in erster Linie durch eine neuartige Technik mit hoher Effizienz.

A321: Der größte Vertreter der A320-Familie

Der Airbus A321 gehört zur A320-Familie. Diese zählt zu den am häufigsten produzierten Modellen des europäischen Unternehmens. Die Entwicklung dieser Flugzeug-Familie fand bereits in den 80er Jahren statt. Nach dem A300 und dessen Schwestermodell – dem A310 – handelte es sich hierbei um das zweite vollständig neu entwickelte Flugzeugmodell dieses Anbieters. Es zeichnet sich durch einen schmalen Rumpf und durch eine Passagier-Kapazität im mittleren Bereich aus. Aufgrund seiner Größe und seiner Reichweite eignet es sich für Kurz- und Mittelstrecken.

Der Jungfernflug erfolgte 1987, der Linienbetrieb wurde 1988 aufgenommen. Bis heute handelt es sich bei der A320-Familie um das erfolgreichste Modell von Airbus. Der Konzern erhielt dafür mehr als 13.000 Bestellungen. Lediglich die 737-Familie von Boeing konnte diesen Wert übertreffen. Im Rahmen einer weiteren Ausdifferenzierung entstanden neben dem ursprünglichen A320 drei weitere Modelle: A318, A319 und A321. Während die ersten beiden kleiner als die erste Version waren, übertraf das letzte von ihnen deren Größe. Damit handelt es sich um den größten Vertreter der A320-Familie. Dieser Flugzeugtyp hob 1993 zum ersten Mal ab.

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Neo-Version: Deutlich mehr Effizienz durch neue Technik

Dieser kurze Überblick über die Geschichte der A320-Familie zeigt, dass diese Flugzeuge bereits ein recht stolzes Alter vorweisen können. Zwar kam es während dieser Zeit zu der einen oder anderen Anpassung der Technik, doch basieren diese Modelle nach wie vor auf der Entwicklung aus den 80er Jahren. Das führte dazu, dass sie hinsichtlich der Effizienz und des Komforts im Vergleich zum Konkurrenten Boeing etwas ins Hintertreffen gerieten. Die Verantwortlichen aus dem Bereich Aviation Management entschieden sich daher immer häufiger für die Jets aus den USA.

Um diesen Trend abzuwenden, kündigte Airbus 2010 eine umfassende Überarbeitung der gesamten A320-Familie an. Die neu entwickelten Modelle wurden nun mit dem Zusatz Neo bedacht. Dieser steht als Abkürzung für New Engine Option. Gleichzeitig stellt er eine Verbindung zum griechischen Wort neo – auf Deutsch neu – her. Die Auflösung der Abkürzung zeigt bereits deutlich, worauf das Hauptaugenmerk bei der Neuentwicklung lag: auf neuen Triebwerken. Diese arbeiten deutlich effizienter als beim Vorgängermodell und sollen daher zu einem wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Betrieb beitragen.

Der erster Vertreter der Modelle mit dem Zusatz Neo war der A320neo. Dieser absolvierte seinen Jungfernflug 2014. Danach folgte der A319neo und schließlich der A321neo. Dieser hob am 9. Februar 2016 am Airbus-Werk in Hamburg zum ersten Mal ab. In den Linienbetrieb trat das Flugzeug 2017 ein. Neben dem Airbus A321 Neo ist nach wie vor die herkömmliche Ausführung erhältlich. Diese trägt nun den Namen A321 Ceo (für Current Engine Option).

Der Airbus A321 gehört zur A320-Familie. (#01)

Der Airbus A321 gehört zur A320-Familie. (#01)

A321 Neo: Seit 2017 immer häufiger im Einsatz

Den erste Airbus A321 Neo kaufte die US-Fluggesellschaft Virgin America mit Sitz in San Francisco. Das Flugzeug kam für die Route San Francisco – Washington D.C. zum Einsatz. Das Unternehmen hatte seine Bestellung bereits bei den ersten Plänen zur Entwicklung dieses Flugzeugtyps angekündigt. Mittlerweile folgten jedoch zahlreiche weitere Aviation Manager diesem Beispiel und modernisierten ihre Flotte, indem sie dieses Flugzeug einsetzen. Es ist beispielsweise bei den Fluggesellschaften Alaska Airlines, Avianca und Interjet im Einsatz, die alle auf dem amerikanischen Kontinent beheimatet sind (in den USA, Kolumbien und Mexiko).

Im asiatischen Raum setzen SriLankan Airlines und VietJet Air auf diesen Flugzeugtyp. Innerhalb Europas verwenden ihn drei Fluggesellschaften: Novair aus Schweden, WOW air aus Island und Azores Airlines aus Portugal. Hinzu kommen zahlreiche weitere Unternehmen, die bereits ihre Bestellungen abgegeben haben und im Laufe der nächsten Monate und Jahre beliefert werden. Das zeigt, dass der A321 Neo bereits zu einem sehr beliebten Flugzeug geworden ist, das die Entscheidungsträger in vielen Fluggesellschaften überzeugen konnte. Das liegt daran, dass er im Vergleich zur Vorgängerversion zahlreiche Vorteile zu bieten hat. Diese werden in den folgenden Abschnitten vorgestellt.

Neue Triebwerke: Mehr Reichweite, Effizienz und Ladekapazität

Der A321neo von Airbus zeichnet sich im Vergleich zum Vorgängermodell durch neu entwickelte Triebwerke aus. Bei deren Entwicklung lag das Hauptaugenmerk auf einer gesteigerten Effizienz. Auf diese Weise benötigen die Flugzeuge erheblich weniger Treibstoff. Das senkt die Kosten für den Betrieb und außerdem leistet Airbus auf diese Weise einen erheblichen Beitrag zu einem umweltfreundlicheren Flugverkehr. Die höhere Effizienz der Antriebssysteme bringt jedoch noch einige weitere positive Effekte mit sich. Beispielsweise ist damit eine etwas höhere Ladung möglich.

Das zulässige Gesamtgewicht stieg bei diesem Flugzeug im Vergleich zum Vorgänger von 93,5 Tonnen auf 97 Tonnen. Schließlich schlägt sich die höhere Effizienz der Triebwerke auch in der Reichweite nieder. Der A321 kann in der Neo-Version bis zu 4.000 nm (nautische Meilen) zurücklegen. Das entspricht rund 7.400 km. Deshalb eignet sich das Flugzeug sogar für Transatlantik-Flüge. Aus diesem Grund stellt es insbesondere für Lowcost-Airlines, die nicht in ein klassisches Langstreckenflugzeug investieren möchten, eine interessante Alternative dar, um Europa und Amerika zu verbinden. Auch für Flüge zwischen Europa und Afrika oder zwischen Nord- und Südamerika stellt dieses Flugzeug aufgrund seiner hohen Reichweite eine sehr interessante Option dar.

Die höhere Effizienz der Antriebssysteme bringt jedoch noch einige weitere positive Effekte mit sich. Beispielsweise ist damit eine etwas höhere Ladung möglich. (#02)

Die höhere Effizienz der Antriebssysteme bringt jedoch noch einige weitere positive Effekte mit sich. Beispielsweise ist damit eine etwas höhere Ladung möglich. (#02)

Sharklets: Beim Airbus A321 Neo serienmäßig installiert

Die neuen Triebwerke stehen beim A321 Neo zwar im Mittelpunkt, sie stellen jedoch nicht die einzige Neuerung dar. Darüber hinaus hat der Hersteller noch einige weitere Details überarbeitet. Ein Beispiel hierfür sind die Sharklets. Dabei handelt es sich um nach oben gerichtete Fortsätze an den Flügelspitzen. Diese bringen zahlreiche Vorteile mit sich. Sie finden insbesondere Verwendung, um den induzierten Luftwiderstand zu reduzieren.

Auf diese Weise tragen sie ebenfalls zu einer höheren Effizienz bei. Airbus beziffert die Treibstoff-Einsparungen durch diese Maßnahme auf rund vier Prozent. Außerdem können sie die Reichweite und die Nutzlast steigern. Ein weiterer Vorteil der Sharklets liegt darin, dass sie die Seitenstabilität steigern und damit den Flug ruhiger gestalten. Schließlich ermöglichen diese Fortsätze eine höhere Steigzahl. Dadurch gewinnt das Flugzeug schneller an Höhe.

Das reduziert die Lärmbelästigung für die Menschen, die in Flughafennähe leben. Bei den Sharklets handelt es sich zwar um keine vollständige Neuentwicklung. Allerdings sind sie beim A321 Neo erstmals serienmäßig installiert. Bei seinem Vorgänger waren sie nur optional erhältlich.

Neues Sitzkonzept für effizientere Ausnutzung der Kabine

Airbus hat auch das Konzept für die Gestaltung der Kabine überarbeitet. Die Ingenieure entwickelten das Modell Cabin-Flex. Dieses erhöht die Kapazität des Flugzeugs deutlich. Es ist für bis zu 240 Passagiere zugelassen – also 20 mehr als beim Vorgängermodell. Im gewöhnlichen 2-Klassen-Flugbetrieb finden 206 Passagiere darin Platz. Diese Erhöhung der Sitzplätze wurde durch eine neue Positionierung der Türen, eine Verlegung der Toiletten sowie ein neuartiges Sitzdesign erreicht.

Der Hersteller betont jedoch, dass der Komfort der Fluggäste darunter nicht leide. Die Sitze weisen nach wie vor eine Breite von 18 Zoll auf – genau wie beim Vorgänger. Auch diese Maßnahme hat einen erheblichen Anteil daran, dass dieses Modell deutlich effizienter arbeitet als sein Vorgänger.

Airbus setzte bei diesem Flugzeug gleich drei Maßnahmen um, die den Treibstoffverbrauch reduzieren oder die Kapazität erhöhen (#03)

Airbus setzte bei diesem Flugzeug gleich drei Maßnahmen um, die den Treibstoffverbrauch reduzieren oder die Kapazität erhöhen (#03)

20 Prozent weniger Treibstoff pro Sitzplatz: A321neo ermöglicht hohe Einsparungen

Airbus setzte bei diesem Flugzeug gleich drei Maßnahmen um, die den Treibstoffverbrauch reduzieren oder die Kapazität erhöhen: Neuartige Triebwerke, Sharklets für geringeren Luftwiderstand und ein überarbeitetes Sitzplatzkonzept, das die zulässige Passagierzahl deutlich erhöht. In der Summe ergibt sich aus diesen Maßnahmen, dass beim A321 Neo rund 20 Prozent weniger Treibstoff pro Sitzplatz erforderlich ist, als bei der Vorgängerversion.

Dieser große Unterschied zeigt, dass dieses Flugzeug den Fluggesellschaften ein enormes Einsparpotenzial bietet. Darüber hinaus profitiert davon die Umwelt. Das trägt zu einem positiven Image der entsprechenden Anbieter bei. Diese Vorteile führen dazu, dass sich dieses Flugzeugmodell schon jetzt einer sehr hohen Beliebtheit erfreut und dass es immer mehr Fluggesellschaften für den Linien- oder Frachtverkehr verwenden.

Die technischen Daten im Überblick

  • Gesamtlänge: 44,51 m
  • Kabinenlänge: 34,44 m
  • Rumpfbreite: 3,95 m
  • Maximale Kabinenbreite: 3,70 m
  • Spannweite: 35,80 m
  • Höhe 11,76 m
  • Passagierzahl (bei 2 Klassen): 206
  • Maximale Passagierzahl: 240
  • Volumen Laderaum: 42,70 m³
  • Reichweite: 7.400 km
  • Maximales Startgewicht: 97 t
  • Mmo (Maximalgeschwindigkeit): 0.82 Mach

Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Markus Schmal-#01: Markus Schmal-#02: Markus Schmal -#03: Markus Schmal

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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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