Flugzeugabsturz bei EgyptAir: Kann ein Flugzeug in der Luft zerbrechen?

Es klingt abstrus, aber die neuesten Erkenntnisse beweisen, dass das Flugzeug von EgyptAir vor dem Absturz in der Luft zerbrach. Hintergründe und Wissenswertes lesen Sie hier auf einen Blick.

Flugzeugabsturz: Information und Definition

 

Auch wenn der Begriff Flugzeugabsturz in vielen Mündern ist, ist es dennoch sinnvoll, einen Blick auf die Definition des Wortes zu werfen. Das Unglück von Ramstein beispielsweise, in dem drei Militärjets bei einer Kunstflugschau abstürzen, wird beispielsweise als Flugtagunglück bezeichnet. Eine kleine, aber feine Unterscheidung, die deutlich macht, dass es sich bei dieser Tragödie nicht um einen Flugzeugabsturz im herkömmlichen Sinne handelt, sondern um einen Unfall, bei dem Menschen zu Tode kamen, jedoch Zuschauer und keine Passagiere, die sich im Flugzeug selbst befanden. Man spricht von einem Flugzeugunglück bzw. einem Flugzeugabsturz, wenn eine Maschine ihre Route nicht beibehalten kann und unkontrolliert am Boden aufkommt. In den meisten Fällen ist es dabei nicht möglich, das Flugzeug kontrolliert zu landen.

Die Gründe für einen Flugzeugabsturz sind so unterschiedlich wie die Katastrophen selbst. Oftmals handelt es sich bei dem Absturz einer Maschine um einen Unfall, der aufgrund von menschlichem Versagen erfolgte. Eine eingeschränkte Sicht, die aufgrund der Witterung besonders schlecht war, ist einer der häufigsten Gründe. Ob Sturm, Starkregen oder Nebel: Kann der Pilot nichts mehr um sich herum erkennen, ist die Gefahr hoch, dass die Maschine notlanden muss oder gar abstürzt. Der zweithäufigste Grund für einen Flugzeugabsturz ist ein Versagen der Technik. Marode Bauteile, ein plötzlicher technischer Defekt oder aber ein unvorhergesehener Verschleiß eines Bauteils sind eine potenzielle Gefahr, die zu einem Absturz führen könnte.

Die Gründe für einen Flugzeugabsturz sind so unterschiedlich wie die Katastrophen selbst. Oftmals handelt es sich bei dem Absturz einer Maschine um einen Unfall, der aufgrund von menschlichem Versagen erfolgte. (#01)

Die Gründe für einen Flugzeugabsturz sind so unterschiedlich wie die Katastrophen selbst. Oftmals handelt es sich bei dem Absturz einer Maschine um einen Unfall, der aufgrund von menschlichem Versagen erfolgte. (#01)

Fliegen: Der sicherste Transport

 

Trotz dieser Gefahren gilt das Fliegen nach wie vor als der sicherste Weg, um zu reisen bzw. um sicher von einem Ort zu einem anderen zu gelangen. Auch wenn die mediale Aufmerksamkeit bei einem Flugzeugabsturz besonders hoch ist und uns dieses Thema besonders im Gedächtnis parat ist, so sollte eines nicht vergessen werden: Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen liegt bei unter 0,0001 Prozent. Das bedeutet, dass die Reise mit dem Flugzeug noch vor dem Transport mit der Bahn das sicherste Mittel ist. Im Gegenteil dazu sind die Zahlen beim Tod durch einen Autounfall zu nennen: Laut “ http://www.spiegel.de/auto/aktuell/unfallstatistik-2015-erneut-mehr-verkehrstote-in-deutschland-a-1079184.html“einem Bericht des Spiegels kamen im Jahr 2015 3475 Menschen im Auto zu Tode – und das allein in Deutschland!

Eine Auswertung von “ https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12873/umfrage/todesopfer-im-flugverkehr/“ zeigt, dass es sich international um 136 Todesopfer handelte. Die Zahlen also sprechen für sich: Das Flugzeug ist eines der sichersten Transportmittel, auch wenn Flugzeugunglücke und ihre Präsenz sich in den Medien in das Gedächtnis der öffentlichen Aufmerksamkeit gebannt haben. Interessant ist dabei dennoch, wie und warum es zu Flugzeugabstürzen kommt. Ein besonderer Fall ist der der EgyptAir Maschine, die im Mai vergangenen Jahres ins Mittelmeer stürzte, denn dabei handelt es sich um einen besonderen Zwischenfall.

 

Video:Egyptair über Mittelmeer abgestürzt – Terror-Anschlag? – BILD DAILY LIVE 19.05.2016

Mai 2016: Flugzeugabsturz bei EgyptAir

 

Im Frühsommer des vergangenen Jahres erschütterten Schlagzeilen aufs Neue die Nachrichten: Bei EgyptAir gab es einen Flugzeugabsturz. Dabei handelte es sich um eine Passagiermaschine, den Airbus A320, der am 19. Mai 2016 von Paris auf dem Weg nach Kairo war. Über dem östlichen Mittelmeer ist die Maschine abgestürzt, woraufhin sich Spekulationen breitmachten. Grund dafür war, dass die Piloten der Maschine, in der 66 Menschen an Bord waren, keinen Notruf abgesetzt hatten. Es wurde zunächst angenommen, dass es sich um einen Terroranschlag handelte, bei dem das Flugzeug schließlich abstürzte. Diese Spekulationen wurden von der ägyptischen Regierung jedoch direkt zurückgewiesen. Erste Signale aus der Maschine deuteten darauf hin, dass sich ein Feuer im Inneren des Flugzeuges entwickelte.

Signale, die automatisch aus dem Flugzeug gesendet wurden, gaben Aufschluss, dass es an Bord der Maschine brannte. In den Toiletten und im Bereich, wo die Bordelektronik verlegt wurde, breitete sich den Signalen zufolge Rauch aus. Dies konnte schließlich auch durch die Auswertungen des Flugschreibers und des Stimmrekorders, die nach dem Absturz gefunden wurde, herausgefunden werden. Der Flugschreiber zeichnete einen Rauchalarm auf, der einsetzte, bevor der Airbus die ägyptische Küste erreichte. Kurz nach Kreta setzte wohl das Feuer ein, welches schlussendlich dazu führte, dass die Maschine ins Meer stürzte und 66 Personen und die Crew mit in den Tod nahm.

Video: Mayday – Alarm im Cockpit – Absturz von Egyptair 990

Brand in der Maschine von EgyptAir

 

Doch nicht nur der Flugschreiber beweist die traurige Tatsache, sondern auch der Stimmrekorder. Dieser wurde zunächst in Frankreich repariert und schließlich in die Hauptstadt Ägyptens nach Kairo gesendet. Die Aufnahmen aus dem Cockpit zeigten, dass versucht wurde, das Feuer an Bord der ägyptischen Maschine zu löschen, jedoch ohne Erfolg. Neben dieser Auswertung deuten auch andere Indizien darauf hin, dass im Airbus A320 vom Weg von Paris nach Kairo gebrannt habe. Bei der Analyse der Wrackteile wurde deutlich, dass auch hier Merkmale von großer Hitzeeinwirkung und Rauch zu sehen waren. Insgesamt kamen bei dem Unglück über dem Mittelmeer 40 Ägypter und 15 Franzosen Tode. Immer noch ist unklar, weshalb der Pilot keinen Notruf abgesetzt hat, aber immer mehr tragische Details kommen zum Vorschein.

Nachdem die Wrackteile untersucht worden waren, konnte nicht nur festgestellt werden, dass es sich um einen Brand im Flugzeug handelte, sondern auch ein weiterer erschreckender Faktor. So lauten die aktuellen Erkenntnisse, dass die EgyptAir Maschine durch den Brand wohl in der Mitte zerbrach. Tragische Bilder müssen sich abgespielt haben, die deutlich machen, dass Flugzeuge trotz hoher Sicherheitsstandards immer noch nicht zu 100 Prozent sicher sind. Was letztlich der Grund für den Absturz war, kann immer noch nicht eindeutig gesagt werden.

 

Video:Flugzeugabsturz: Steckt der Islamische Staat dahinter?

Wie es weitergeht: Brand in der EgyptAir Maschine

 

Noch bevor die Stimmrekorder und der Flugschreiber ausgewertet wurden, leitete die französische Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein – gegen unbekannt. Dies ist eine Standardprozedur, wenn es zu einem solchen Unfall kommt. Nach wie vor wurden die sterblichen Überreste der Opfer geborgen und versucht zu identifizieren. Des Weiteren wurden diese ebenfalls untersucht, um nähere Details zum Flugzeugunglück herauszufinden. Wie die Datenlage des Flugschreibers und des Stimmrekorders darlegten, ist plötzlich ein Feuer ausgebrochen. Seltsam bis bizarr erscheint die Tatsache, dass die Piloten keinen Notruf abgesetzt hatten. Es liegt nahe, dass es zu einem plötzlichen Zwischenfall kam, der Piloten dermaßen in Anspruch nahm, dass es unmöglich war, die Maschine wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Erste Vermutungen über einen Terroranschlag mit Explosion, die ein solches Ereignis hätte darstellen können, wurden jedoch zurückgewiesen. Im Dezember 2016 traten jedoch andere Erkenntnisse zutage: Offenbar wurden Reste von Sprengstoff an den sterblichen Überresten der Menschen gefunden. Dies bestätigt wiederum die These eines Terroraktes bzw. eines Anschlages mit Explosion in der Maschine. Bis heute jedoch gibt es kein Bekennerschreiben, mit dem sich eine Terrororganisation zu den Ereignissen bekennt. Dass sich vielleicht einer der Piloten in die Luft sprengte, wird aus diesem Grund ebenfalls nicht ausgeschlossen. Fakt ist: Die Sprengstoffspuren weisen auf Ereignisse hin, die nicht einem technischen Defekt zuzuschreiben sind.

Da es sich bei den Opfern sowohl um Personen ägyptischer als auch französischer Staatsangehörigkeit handelt, ermitteln die Behörden beider Länder. (#02)

Da es sich bei den Opfern sowohl um Personen ägyptischer als auch französischer Staatsangehörigkeit handelt, ermitteln die Behörden beider Länder. (#02)

Die Ermittlungen der französischen und ägyptischen Behörden

 

Da es sich bei den Opfern sowohl um Personen ägyptischer als auch französischer Staatsangehörigkeit handelt, ermitteln die Behörden beider Länder. Bereits bei der Auswertung des Flugschreibers und des Stimmrekorders kamen die Franzosen den Ägyptern zur Hilfe. Zunächst wurden die Geräte von den Salzrückständen gesäubert und schließlich zur Auswertung nach Ägypten gebracht. Nach den neuesten Erkenntnissen wurde der Fall der Maschine des Fluges MS804 vom ägyptischen Luftfahramt an die Staatsanwaltschaft übergeben. Die französischen Behörden ließen hingegen nur folgendes Statement verlautbaren: „Wir sind nicht über die Bedingungen informiert worden, unter denen die Proben genommen wurden“, sagte ein französischer Sprecher der Luftfahrt-Untersuchungsbehörde BEA. Aus diesem Grund könnten von französischer Seite keine Rückschlüsse gezogen werden.

Die Ereignisse des Fluges MS804 stellten sowohl die Franzosen als auch die Ägypter vor große Herausforderungen. Deutlich zu erkennen ist aber, dass die französischen Behörden mit der Art der Ermittlungen auf ägyptischer Seite nicht unbedingt zufrieden ist. Diese internen Querelen machen es nicht einfacher, das Rätsel um den Absturz bzw. die Explosion an Bord der Maschine zu lösen. Dazu kommt ebenfalls noch der Vorwurf des französischen Opferverbandes Fenvac, der der ägyptischen Luftfahrtorganisation zuschrieb, lediglich das Luftfahrtunternehmen EgyptAir schützen zu wollen. Immer wieder reagierten die Franzosen auf die Erkenntnisse einer Explosion skeptisch und sahen keinen Beweis dafür gegeben, dass es sich tatsächlich um einen Terroranschlag handelte. Angesichts des fehlenden Bekennerschreibens ist dies auch nicht unwahrscheinlich.

 

Die Nachrichtenagentur Reuters ließ verlautbaren, dass die französischen Ermittler mit der Arbeit der ägyptischen Behörden unzufrieden seien. Eine offizielle Stellungnahme oder gar eine offene Kritik hat es jedoch nie gegeben. (#03)

Die Nachrichtenagentur Reuters ließ verlautbaren, dass die französischen Ermittler mit der Arbeit der ägyptischen Behörden unzufrieden seien. Eine offizielle Stellungnahme oder gar eine offene Kritik hat es jedoch nie gegeben. (#03)

Unzufriedenheit vonseiten der Franzosen

 

Laut der französischen Tageszeitung Le Figaro wurden bereits im September vergangenen Jahres Spuren von Sprengstoff an den Wrackteilen gefunden. Dieser Hinweise habe sich jedoch nicht erhärtet, woraufhin die französischen Behörden diesem nicht weiter nachgingen. Die Nachrichtenagentur Reuters ließ verlautbaren, dass die französischen Ermittler mit der Arbeit der ägyptischen Behörden unzufrieden seien. Eine offizielle Stellungnahme oder gar eine offene Kritik hat es jedoch nie gegeben.

Angesichts der Beweislage und der unterschiedlichen Haltungen zum Absturz des Airbusses A320 von Paris nach Kairo bleibt abzuwarten, wie es weitergeht. Erst wenn weitere Wrackteile geborgen werden bzw. noch mehr Analysen feststehen, können weitere Mutmaßungen angestellt werden, wie es zum Absturz der Maschine über dem Mittelmeer kam.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild:Ewais-#01: sdecoret -#02: ehrenberg-bilder-#03:Kitja

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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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