Chrystal Cabin Award 2018: Acht Preisträger mit Ideen, die das Fliegen verbessern

Die jährlich in Hamburg stattfindende „Cabin Interiors Expo“ ist eine der Leitmessen für die globale Luftverkehrswirtschaft. Auf der Messe präsentiert sich so ziemlich alles, was in der Flugzeugkabine seinen Platz findet und zu einem hoffentlich bequemeren Reiseerlebnis beiträgt. Im Rahmen der Messe wird der „Chrystal Cabin Award 2018“ verliehen, den der Industrieverband Hamburg Aviation ins Leben gerufen hat.

Globale Leitmesse: Cabin Interiors Expo in Hamburg

Interessierte finden hier zudem viele Produkte, die man als Passagier nicht so ohne weiteres zu sehen bekommt. Zu sehen sind also nicht nur Kabineneinrichtungen, Sitze, Beleuchtungssysteme und die neuesten Trends in Sachen In-Flight-Entertainment. Hinzu kommen Teppiche für die Passagierkabine, Bordküchen, Rettungsmittel wie Schlauchboote, Feuerlöscher oder Notrutschen. Auch die Zulieferer für die großen Hersteller sind präsent, ebenso die Hersteller selbst.

Hamburger Messetradition: Der „Chrystal Cabin Award“

Der „Chrystal Cabin Award“ prämiiert in mehreren Kategorien herausragende Produkte für die Flugzeugkabine. So wurden denn dieses Jahr acht Teilnehmer am Wettbewerb für ihre Produkte ausgezeichnet. Der „Chrystal Cabin Award“ verzeichnete dieses Jahr zudem mit 91 Einreichungen aus aller Welt seine bislang höchste Bewerberzahl. Neu war zudem die Kategorie „Inflight Entertainment & Connectivity“, was der wachsenden Bedeutung der Unterhaltungselektronik und der elektronischen Kommunikation der Passagiere Rechnung trägt.

Inflight Entertainment für Sehbehinderte von Blue Box Aviation Systems

Sieger in dieser Kategorie war Blue Box Aviation Systems mit seiner Inflight Entertainment-Plattform für Sehbehinderte. Diese Plattform ist bei Virgin Atlantic seit Dezember 2017 im Einsatz. „BlueBox aIFE“ basiert auf der tragbaren Inflight Entertainment Platform des gleichen Herstellers. Geschrieben ist die Software in Apples neuer Programmiersprache Swift. Passagiere bekommen ein tragbares Gerät, dass sie durch die Unterhaltungsangebote an Bord führt. Für Airlines bietet sich hier eine kostengünstige Alternative zum Nach- oder Umrüsten ihres Inflight Entertainment-Systems.

„Bluebox aIFE“ ist eine tragbare Inflight Entertainment-Lösung speziell für Sehbehinderte. (#1)

„Bluebox aIFE“ ist eine tragbare Inflight Entertainment-Lösung speziell für Sehbehinderte. (#1)

Kooperation von Airbus und Altran: Elektrische Leitungen aus dem 3D-Drucker

Zum ersten Mal wurde ein im 2016 gegründeten Zentrum für Angewandte Luftfahrt-Forschung (ZAL) entwickeltes Produkt ausgezeichnet. Der Preis in der Kategorie „Materialien und Komponenten“ ging an Airbus und Altran. Mit ihrem Produkt „Printed Electrics“ präsentierten sie eine Lösung, mit der elektrische Leitungen direkt mit dem 3D-Drucker auf Bauteile gedruckt werden. Kabelstränge könnten so schon bald der Vergangenheit angehören.

Dadurch sinkt die Teilezahl in der Flugzeugproduktion. Außerdem erleichtert diese Lösung die Anpassung an Kundenwünsche und spätere Modifikationen. Auch die Automatisierung der Fertigung wird damit vorangetrieben. Zur Zeit fliegt ein Demonstrator an Bord eines Airbus A320. Ein gedrucktes Kabinen-Paneel zeigt passagierbezogene Informationen zur Sicherheit an Bord an.

Printed Electrics“ vorn Airbus und Altran kommen die elektrischen Leitungen direkt aus dem 3D-Drucker. (#2)

Printed Electrics“ vorn Airbus und Altran kommen die elektrischen Leitungen direkt aus dem 3D-Drucker. (#2)

Quatar Airways bietet Suite für die Business Class

Wer es sich leisten kann, fliegt dank der „Quatar Airways Qsuite“ fast mit Hotelstandard. Entworfen hat die Qsuite die Design-Agentur PriestmanGoode. Deren Entwurf erhielt den „Chrystal Cabin Award“ in der Kategorie „Kabinenkonzepte“. Quatar Airways will seine Qsuite in seiner Business Class anbieten und einen neuen Standard für das Premium-Segment der Flugreisen setzen. Die Suite bietet zum ersten Mal in der Business Class ein Doppelbett. Bewegliche Raumteiler erlauben es Passagieren, sich einen abgeschlossen Raum zu schaffen. Auch lassen sich vier Sitzplätze zu einer gemeinsamen Tafel zum Essen und Verweilen für Familien oder Reisegruppen herrichten.

Die Qsuite von Quatar Airways bietet auch die Möglichkeit, gemeinsam zu essen oder sich zu unterhalten. (#3)

Die Qsuite von Quatar Airways bietet auch die Möglichkeit, gemeinsam zu essen oder sich zu unterhalten. (#3)

Zwei Preise für Luftfahrtzulieferer Rockwell Collins

Gleich zwei Auszeichnungen brachte das US-Unternehmen Rockwell Collins mit in die Heimat. Es erhielt einen Award in der Kategorie „Kabinensysteme“. Ihre „Silhouette Move“ ist eine neue Trennwand zwischen Business Class und Economy. Diese Wand ist so gekrümmt, dass der hinter sitzende Passagier der so genannten ‚Knüppelklasse‘ doch noch genug Platz für Beine, Füße und Handgepäck findet.

Rockwell Collins wurde für seine neue Wand zwischen Business und Economy ausgezeichnet. (#4)

Rockwell Collins wurde für seine neue Wand zwischen Business und Economy ausgezeichnet. (#4)

Einen weiteren Preis nahm Rockwell Collins in der Kategorie „Passagierkomfort-Hardware“ entgegen. Das „Valkyrie Bed“, zu deutsch „Walküren-Bett“, soll gleichermaßen Sitz und Bett bieten. Bei Bedarf zieht man einfach eine Rollmatratze aus der Wandverkleidung und legt sie über den zurückgeklappten Sitz. Dann bleibt nur zu hoffen, dass niemand über die leichtsinnige Anspielung auf den von Walküren begleiteten Trip nach Walhalla genauer nachdenkt.

Das „Valkyrie Bed“ bietet eine ausziehbare Rollmatratze, die über den Sitz gezogen wird. (#5)

Das „Valkyrie Bed“ bietet eine ausziehbare Rollmatratze, die über den Sitz gezogen wird. (#5)

„LiteHeat“ von Vilinger ist ein stabiles Heizelement für den Kabinenboden

Umweltfreundliche Lösungen werden in der Kategorie „Grünere Kabine, Gesundheit, Sicherheit und Umwelt“ ausgezeichnet. Hier konnte der österreichische Luftfahrt-Ausrüster Villinger den Wettbewerb mit „LiteHeat“ für sich entscheiden. „LiteHeat“ ist ein neues, robustes beheizbares Bodenpanel. Die gegenwärtig gebräuchlichen Elemente der Fußbodenheizung sind in der Regel von Folien oder Kabeln ummantelt und reagieren auf mechanische Einwirkung von Außen recht empfindlich. Laut Auskunft des Unternehmens ist das neue Paneel praktisch unzerstörbar und kann in jede in der Luftfahrt verwendete Fußbodenstruktur eingebaut werden.

LiteHeat“ ist ein Novum in der Luftfahrt:Eine extrem robuste Heizfläche. (#6)

LiteHeat“ ist ein Novum in der Luftfahrt:Eine extrem robuste Heizfläche. (#6)

Cranfield University: Sparsamer Wasserhahn fürs Flugzeug

In der Kategorie „Universität“ hatten studentische Teams aus England, Schottland und den USA das Finale erreicht. Das Rennen machte das Team der englischen Cranfield University mit seiner Idee des „E-tom Smart Faucet“, eines Wasserhahns, der durch Zerstäubung bis zu 90 Prozent Wasser einspart.

Wasserhahn-Konzept mit akustischem Zerstäuber der Cranfield University. (#7)

Wasserhahn-Konzept mit akustischem Zerstäuber der Cranfield University. (#7)

Das Flugzeug selbst würde 60 Prozent weniger Wasser brauchen, was wiederum die Zuladung und damit den Spritverbrauch senken würde. Die Zerstäubung erfolgt durch elektronisch erzeugte Vibrationen. Außerdem spürt der Wasserhahn durch Sensoren leichte Verstopfungen auf, die er durch Ultraschallwellen auflöst. Mit denen kann er sich außerdem selbst reinigen. Zudem dienen Kohlefilter und UV-Licht dazu, das Wasser sauber und keimfrei zu halten.

Einsparungspotential des Wasserhahn-Konzepts am Beispiel zweier Flugzeugtypen. (#8)

Einsparungspotential des Wasserhahn-Konzepts am Beispiel zweier Flugzeugtypen. (#8)

Renacens bietet animierte Vorschau in 3D für den Sitzplatz

„Visionäre Konzepte“ werden ebenfalls prämiiert. Dieses Jahr ging der Chrystal Cabin Award in dieser Kategorie an das spanische Unternehmen Renacens. Das Unternehmen hat mit „3D Seat Map VR“ eine Virtual-Reality-Lösung entwickelt, die dem Passagier bei der Flugbuchung einen animierten 360-Grad-Blick in die Flugzeugkabine aus seiner eigenen Perspektive bietet. Bei der Buchung kann man mit der Maus über eine Karte der Flugzeugkabine wandern und den gewünschten Sitz anklicken. Dann zeigt einem das System einen virtuellen Rundblick davon, was man von diesem Sitz aus sieht – ist es ein Fensterplatz oder nicht, Nähe zum Notausgang, Materialien und andere Details. Passagiere sehen so, wo genau sie sitzen würden und können sich gezielt einen bestimmten Sitz aussuchen. Fluggesellschaften können so mehr spezielle Sitzplätze und Upgrades verkaufen.

Die „3D Seat Map VR“ bietet dem Passagier bei der Sitzbuchung einen 360-Grad-Blick aus der Perspektive des gewählten Platzes. (#9)

Die „3D Seat Map VR“ bietet dem Passagier bei der Sitzbuchung einen 360-Grad-Blick aus der Perspektive des gewählten Platzes. (#9)


Bildnachweis: Titelbild:©Shutterstock/Jag_cz, #1: Blue Box Aviation System via Chrystal Cabin Award e.V./Hamburg Aviation, #2: Illustration: Airbus via Chrystal Cabin Award e.V./Hamburg Aviation, #3: PriestmanGoode via Chrystal Cabin Award e.V./Hamburg Aviation, #4: Rockwell Collins via Chrystal Cabin Award e.V./Hamburg Aviation, #5: Rockwell Collins via Chrystal Cabin Award e.V./Hamburg Aviation, #6: Villinger via Chrystal Cabin Award e.V./Hamburg Aviation, #7+#8: Cranfield University via Chrystal Cabin Award e.V./Hamburg Aviation, #9 Renacens via Chrystal Cabin Award e.V./Hamburg Aviation.

Über Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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