Billig-Airlines: Fliegen für kleines Geld

Sie haben die Flugreisen um vieles preiswerter gemacht – die etwas abschätzig als Billig-Airlines bezeichneten Fluggesellschaften, die in den 1990er Jahren begannen, mit Kampfpreisen den großen Fluglinien die Marktanteile abzujagen.

Der Aufstieg der Billig-Airlines

Einer der Pioniere dieses Geschäftsmodells, die in Irland beheimatete Ryanair, gehört heute zu den größten Fluggesellschaften Europas und ist im Segment der Billigflieger sogar Marktführer.

In Deutschland liegt die Fluglinie auf Rang 3, während auf Rang 2 die inzwischen insolvente Air Berlin liegt. Den ersten Platz in Deutschland nimmt die Lufthansa-Tochter Germanwings ein.

Erste Billigfluglinie 1949 in den USA gegründet

Die meisten von uns halten Fluglinien wie Ryanair oder EasyJet mit ihren niedrigen Ticketpreisen für eine relativ neue Erscheinung. Aber in Wirklichkeit ist deren Geschäftsmodell schon viel älter.

Die erste dieser in der Luftfahrtbranche als ‚Low Cost Airlines‘ bezeichneten Anbieter wurde bereits 1949 in den USA gegründet. Die Pacific Southwest Airlines (PSA) nahm ihren Flugbetrieb mit einer geleasten Douglas DC-3 auf und bot wöchentliche Flüge von San Diego nach Oakland bei San Francisco zum Preis von damals 16 Dollar an. Später setzte PSA die größere, viermotorige DC-4 ein und dehnte ihr Streckennetz an der amerikanischen Pazifikküste aus. 1987 fusionierte PSA mit USAir. Air California, die zweite Airline dieser Art, folgte 1967 und bot Flüge zwischen dem Orange County Airport und San Francisco International.

Diese Douglas C-54D Skymaster, ein umgerüsteter Militärtransporter, flog 1959 in den Farben von Pacific Southwest Airlines. Die Aufnahme entstand auf dem Flughafen von San Diego. (#1)

Diese Douglas C-54D Skymaster, ein umgerüsteter Militärtransporter, flog 1959 in den Farben von Pacific Southwest Airlines. Die Aufnahme entstand auf dem Flughafen von San Diego. (#1)

Der bis heute erfolgreichste und größte dieser Low Cost Carrier, Southwest Airlines (SWA), nahm seinen Flugbetrieb im Juni 1971 auf. SWA verband Dallas, Houston und San Antonio im US-Bundesstaat Texas miteinander. Deren Geschäftsmodell wurde später von vielen anderen Gesellschaften übernommen, so die Konzentration auf einen Flugzeugtyp, auf Punkt-zu-Punkt-Verbindungen und die Nutzung kleinerer Flughäfen zum Einsparen von Landegebühren. Die Freigabe der Ticketpreise in den USA 1978 kam diesen Airlines entgegen.

Ryanair übernahm das Modell 1991 und dehnte sein Streckennetz ab 1995 in ganz Europa aus. Die niedrigen Preise sorgten für kontinuierliche Expansion nicht nur von Ryanair. Weitere Fluglinien wurden gegründet, und die großen Airlines gründeten ihre eigene Low Cost Carriers. So schickte die Lufthansa Germanwings ins Rennen, KLM etablierte Buzz, und British Airways brachte mit Go eine eigene Billigflug-Sparte an den Start. Mittlerweile existieren weltweit Billigfluglinien, die meisten davon in Südamerika. Heute wird jeder fünfte Flug in Deutschland von einer Low Cost Airline durchgeführt.

Der britische Selfmade-Unternehmer Freddie Laker ging 1977 in Großbritannien mit seiner Firma „Skytrain“ an der Start und bot Flüge von London-Gatwick zur US-amerikanischen Ostküste für 59 Pfund oder damals 250 D-Mark an. Hier startet einer seiner DC-10-Jets um 1979 vom Flughafen Manchester. (#2)

Der britische Selfmade-Unternehmer Freddie Laker ging 1977 in Großbritannien mit seiner Firma „Skytrain“ an der Start und bot Flüge von London-Gatwick zur US-amerikanischen Ostküste für 59 Pfund oder damals 250 D-Mark an. Hier startet einer seiner DC-10-Jets um 1979 vom Flughafen Manchester. (#2)

Der kurze Ruhm des Freddie Laker

Der britische Selfmade-Unternehmer gilt neben seinem wesentlich erfolgreicheren Landsmann Richard Branson als einer der Erfinder der Billigfluglinien. Laker ging 1977 in Großbritannien mit seiner Firma „Skytrain“ an der Start und bot Flüge von London-Gatwick zur US-amerikanischen Ostküste für 59 Pfund oder damals 250 D-Mark an. Laker nutzte die Liberalisierung des Flugverkehrs in den USA aus. Außerdem strich er viele Zusatzleistungen, die auch heute im Linienflugverkehr üblich sind. So mussten Passagiere ihr eigenes Essen mitbringen. Außerdem achtete er auf eine schlanke Organisation.

Zunächst war er mit seinem radikalen Ansatz erfolgreich. 1978 schlug ihn Königin Elisabeth II. zum Ritter. Sir Freddie, wie er nun genannt wurde, wollte weiter expandieren. Seine Flugzeuge sollten über Hongkong und Japan um die Welt fliegen. Dafür bestellte er fünf dreistrahlige Großraum-Jets vom Typ DC-10. Aber die internationale Luftfahrtlobby verhinderte das. Laker blieb am Ball und wollte nun den Himmel über Europa übernehmen. Ende 1978 bestellte er zehn Airbus A300, mit denen seine Laker Airways erst 10, später sogar 37 Flughäfen anfliegen wollte. Die Ticketpreise sollten drastisch sinken – so wollte er einen Flug von München nach Athen für 260 DM anbieten. Der damalige Linientarif lag bei rund 700 D-Mark.

Die Geschichte der Billigflieger begann mit Flugzeugen wie dieser Douglas DC-3 der 1949 gegründeten Pacific Southwest Airlines (PSA). PSA war die erste Billig-Airline überhaupt. (#3)

Die Geschichte der Billigflieger begann mit Flugzeugen wie dieser Douglas DC-3 der 1949 gegründeten Pacific Southwest Airlines (PSA). PSA war die erste Billig-Airline überhaupt. (#3)

Aber Laker wich nach und nach von seinem eigenen Erfolgsrezept ab, das bis heute erfolgreich kopiert wird. Sein schlanker Buchungs- und Organisationsapparat machte die niedrigen Flugpreise erst möglich, aber Laker glich sich mehr und mehr der Konkurrenz an. Laker Airways nahmen Reservierungen an und arbeiten nun doch mit der Reisebüro-Branche zusammen. Daher flog die Gesellschaft in ihrem letzten Geschäftsjahr 1981 einen Verlust von 141 Millionen Pfund ein. Nun wollten die Gläubiger ihr Geld zurück, und am 5. Februar 1982 kam das Aus.

Wie das Geschäftsmodell der Billig-Airlines funktioniert

Billigfluggesellschaften weisen eine Reihe gemeinsamer Merkmale auf. In der Regel fliegen sie nur einen einzigen Flugzeugtyp. Sie nutzen kleinere Flughäfen, um Landegebühren zu sparen. Zudem bieten sie nur Punkt-zu-Punkt-Verbindungen an und haben oft nur eine einzige Bordklasse. Zusatzleistungen, die bei anderen Airlines im Ticketpreis enthalten sind, müssen zusätzlich bezahlt werden. Außerdem berechnen Niedrigpreis-Airlines zusätzliche Gebühren für Gepäckstücke, für Sitzplatzreservierungen oder für bestimmte Zahlungsmethoden.

Ein Airbus A319 von Germanwings im aktuellen Anstrich, aufgenommen 2017 in Schiphol. (#4)

Ein Airbus A319 von Germanwings im aktuellen Anstrich, aufgenommen 2017 in Schiphol. (#4)

Hinzu kommen schlanke Organisationen und auf Geschwindigkeit getrimmte operative Prozesse, um die Kosten niedrig zu halten. So erreichen die Airlines kurze Standzeiten von teilweise unter 30 Minuten auf dem Flughafen. In einigen Unternehmen müssen die Flugbegleiter selbst ihre Maschinen reinigen. Auch Check-In und Boarding sind vereinfacht, indem beispielsweise drei Flüge von einem Schalter abgefertigt werden.

Durch den Einsatz jüngerer Besatzungen halten viele Billig-Airlines die Gehälter niedrig. Ein anderes Modell ist, dem Anschein nach selbstständige Piloten über Personaldienstleister ins Cockpit zu holen. Die werden dann nur nach Flugstunden bezahlt. Geflogen wird mit der gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststärke, um Übernachtungskosten für die Besatzungen zu sparen.

Billig-Airlines auf dem deutschen Luftfahrtmarkt

Die Grenzen zu den früheren marktdominierenden Fluglinien und den großen nationalen Gesellschaften wie Lufthansa oder Air France haben sich in den letzten Jahren verwischt.. Viele dieser Fluggesellschaften oder „Full-Service Carriers“ haben Elemente aus dem Geschäftsmodell der Billig-Airlines übernommen, während die in der Luftfahrtbranche als ‚Low Cost Carrier‘ firmierenden Gesellschaften ihre Angebote teilweise traditionellen Fluggesellschaften angeglichen haben. Oder sie betrieben gleich eigene Billigfluglinien.

Die Lufthansa hat zudem ihre Billigflug-Tochter Germanwings ins Streckennetz integriert. Seit der Verschmelzung mit Eurowings führt Germanwings alle Flüge außer den Flügen von und zu den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München durch.

Ein Airbus A319 von Germanwings, aufgenommen 2003. Die Lufthansa-Tochter German Wings ist in Deutschland Marktführer im Segment der Low Cost Carriers. (#5)

Ein Airbus A319 von Germanwings, aufgenommen 2003. Die Lufthansa-Tochter German Wings ist in Deutschland Marktführer im Segment der Low Cost Carriers. (#5)

Eurowings liegt laut dem jährlich erscheinenden „Low Cost Monitor“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Zahl der angebotenen Flüge auf Platz Eins. Die DLR-Experten nahmen eine Woche im Januar 2017 unter die Lupe und fanden 1800 Eurowings-Flüge. Hätten sie die insolvente Air Berlin miteinbezogen, dann läge diese Gesellschaft mit etwas weniger als 1800 Starts hinter Eurowings auf Platz 2. Im DLR-Ranking folgen dann Ryanair mit 777 Flügen und EasyJet mit 405 Flügen.

Trotz der spektakulären Pleite von Air Berlin hat sich die Branche von den Auswirkungen der Finanzkrise 2007 und 2008 erholt. In den ersten Jahren nach der Krise ging die Zahl der Flüge stark zurück, um dann ab 2014 wieder zu steigen. In dem Jahr wurden 16 % mehr Flüge angeboten als im Vorjahr. Seitdem kann das Low-Cost-Segment wieder stolze Wachstumsraten verzeichnen.

Gegenwärtig teilen sich die fünf größten Anbieter 90 Prozent des deutschen Marktes. Eurowings allein bietet rund 50 Prozent der Flüge an, dicht gefolgt von Ryanair mit 21,5 Prozent aller Flüge. Insgesamt boten die Airlines laut Low Cost Monitor 518 unterschiedliche Strecken an. Lässt man die Air Berlin-Flüge außen vor, ist das ein Wachstum von 19,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.


Bildnachweis: Titelbild: ©Adrian Pingstone via Wikimedia Commons, – #01: ©Jon Proctor via Wikimedia Commons., – #02: ©RuthAS via Wikimedia Commons., – #03: ©Bill Jenkins via Wikimedia Commons.,  – #04: ©Alf von Beem via Wikimedia Commons.,- #05: ©Konstantin von Wedelstaedt via Wikimedia Commons.,

Über Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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