Russlands Superwaffen: Putins größter Bluff oder eine echte Gefahr für den Westen?

Anfang März hielt der russische Präsident Wladimir Putin eine aufsehenerregende Rede über Russlands Superwaffen. Und die gesamte westliche Welt fragt sich was tatsächlich dahinter steckt.

 Russlands Superwaffen: Science Fiction oder Wirklichkeit

Der US-amerikanische Science Fiction-Autor William Gibson sagt gerne: „Die Zukunft ist längst hier. Sie ist nur ungleich verteilt.“ Wie viel von einer eher problematischen Zukunft bereits Wirklichkeit ist, bleibt angesichts neuer Waffenentwicklungen in Russland jedoch im Unklaren. Anfang März hielt der russische Präsident Wladimir Putin eine aufsehenerregende Rede über neue Waffensysteme der russischen Streitkräfte. Einmal eingeführt, würden diese neuen Waffen zu einem beachtlichen Fähigkeitszuwachs der strategischen Streitkräfte Russlands führen.

Schon zu Zeiten des Kalten Krieges lieferten sich Ost und West einen Wettlauf von Ankündigungen und aufwendigen Imagekampagnen, deren Inhalte oft hinter der Wirklichkeit zurückblieben.

Putins Präsentation

Allerdings sind viele Experten von den neuen Waffen weniger überrascht, weil einige dieser Waffen schon seit längeren getestet werden. Außerdem tut sich Russland bei der Entwicklung und Produktion neuer Waffensysteme eher noch schwerer als die Staaten der NATO. Putin präsentierte Anfang März sechs neue Waffen für Russlands strategisches Waffenarsenal sowie Bilder einer mobilen Laserwaffe zur Lenkwaffenabwehr.

In seiner Rede an die Nation vom 1. März 2018 stellte der russische Präsident Wladimir Putin nicht nur eine neue Generation strategischer Waffen vor. Er stellte auch das Scheitern russischer Bemühungen fest, mit den USA zu einem strategischen Ausgleich zu kommen. Die Entwicklung dieser Waffensysteme hat laut Putin bereits begonnen, als die USA aus dem ABM-Vertrag ausstiegen, der Raketenabwehrsysteme nur eingeschränkt erlaubt.

Aufgenommen während der traditionellen Moskauer Siegesparade zum Jahrestag des Sieges über NS-Deutschland: Eine MiG-31 mit einer „Kinzhal“-Lenkwaffe unter dem Rumpf. (#1)

Aufgenommen während der traditionellen Moskauer Siegesparade zum Jahrestag des Sieges über NS-Deutschland: Eine MiG-31 mit einer „Kinzhal“-Lenkwaffe unter dem Rumpf. (#1)

Marschflugkörper mit Nuklearantrieb

Wohl das spektakulärste Projekt die ‚9M730‘, ein Marschflugkörper mit Atomantrieb. Die genaue Typenbezeichnung ist nicht bekannt. ‚9M730‘ soll in großer Höhe und mit hoher Überschallgeschwindigkeit einen Kernsprengkopf ins Ziel tragen. Nukleare Flugzeugantriebe wurden in den 1950er und 1960er Jahren von beiden Supermächten erforscht, aber als zu teuer und nicht machbar aufgegeben. Im Prinzip wird dabei die angesaugte Luft nicht durch eine Brennkammer geführt, sondern durch den mehrere tausend Grad heißen Reaktorkern. Dann wird sie wie bei einem Düsentriebwerk ausgestoßen.

Zwar kann so ein Flugkörper hohe Geschwindigkeiten erreichen und fast unbegrenzt in der Luft bleiben. Aber er verstrahlt auch die Umgebung, denn der Schubstrahl ist radioaktiv. Putin sprach von einem erfolgreichen Testflug im Dezember 2017, während das US-Verteidigungsministerium nur ein paar fehlgeschlagene Starts vermeldete. Test- und Einsatzgebiet ist vermutlich die Arktis.

Das Konzept selbst ist nicht neu. Bereits in den 1960er Jahren arbeiteten die Wissenschaftler beider Supermächte an ähnlichen Projekten. In den USA entstand das Projekt „Pluto“ für einen nuklear angetriebenen Marschflugkörper. Er würde mit Raketenboostern gestartet, dann würde der Flugkörper mit dreifacher Schallgeschwindigkeit im Tiefflug sein Zielgebiet anfliegen und dort seine Waffenlast aus Atombomben abwerfen. Das Triebwerk wurde tatsächlich 1961 gebaut und auf dem Prüfstand getestet.

Allerdings brachen die USA das Projekt 1964 ab. Eine derartige Waffe erschien den Pentagon-Planern zu provokativ und technologisch zu risikoreich. Sie mochten nicht riskieren, dass die Sowjetunion eine eigenen, von der US-Luftwaffe kaum abzufangenden Marschflugkörper entwickelte. Zudem hätte sie bereits auf dem Weg ins Zielgebiet durch die Treibwerksstrahlung und die Wirbelschleppe aus mehrere tausend Grad heißer Luft große Verwüstungen angerichtet.

Video: „Here’s The Six Super Weapons Putin Unveiled As Fiery Business“

Auf einer großen Pressekonferenz am 1. März 2018 stellte der russische Präsident Wladimir Putin die neuesten strategischen Waffensysteme vor.

„Status-6“ – der 100-Knoten-Torpedo mit Nuklearantrieb

Der Nukleartorpedo „Status-6“, der bereits in einer Putin-Rede von 2015 erwähnt wurde, hat beides: Atomantrieb und einen nuklearen Gefechtskopf. Mit ihm will das russische Militär Marinestützpunkte bedrohen. Er erreicht Tiefen um 1000 Meter und Geschwindigkeiten um 100 Knoten (185 km/h). Experten bezeichnen ihn als Drittschlagswaffe, die ihr Zielgebiet erst erreichen würde, nachdem beide Seiten ihre Raketen bereits verschossen haben. Russland baut außerdem spezielle U-Boote, die diesen Torpedo sowie neuartige Unterwasserdrohnen einsetzen können. Diese Drohnen der „Klavesin“-Reihe können sowohl für zivile Forschung als auch für militärische Aufklärung genutzt werden.

„Avangard“: Unbemannter Hyperschall-Gleiter mit Megatonnen-Bombe

Hinter Projekt „4202“ oder „Avangard“ verbirgt sich ein unbemannter Hyperschall-Gleiter mit einer Nuklearladung im Megatonnenbereich. Alternativ ist auch eine konventionelle Bestückung möglich. „Avangard“ ist wahrscheinlich schon seit 2004 in der Entwicklung. Ähnlich wie herkömmliche Mehrfachsprengköpfe starten „Avangard“- Flugkörper in der obersten Stufe einer Interkontinentalrakete und steigen bis auf 100 Kilometer Höhe. Von dort aus gleiten sie mit 5 – 7 Kilometern pro Sekunde oder rund Mach 15 in Richtung Ziel.

„Avangard“ kann Ausweichmanöver fliegen und so Abfangraketen entgehen. In die Spitze einer russischen Interkontinentalrakete passen bis zu zehn dieser Gleiter. Deren Erprobung ist abgeschlossen. Seit März 2018 ist „Avangard“ in Produktion. Die ersten Flugkörper werden Ende 2018 oder Anfang 2019 einsatzbereit sein.

„Kinzhal“ bedroht gegnerische Schiffsverbände und Flugzeugträger

Die ballistische „Kinzhal“-Rakete wird von MiG-31-Kampfflugzeugen abgefeuert. „Kinzhal“ ist eine Abwandlung der obersten Stufe der taktischen „Iskander“-Nuklearrakete, die auch im früheren Ostpreußen stationiert ist. „Kinzhal“ richtet sich primär gegen Seeziele wie Flugzeugträger und ihre Begleitschiffe. Allerdings ist auch die Bekämpfung von Zielen an Land möglich.

Das können beispielsweise Radar- oder Raketenstellungen, Kommandozentralen und andere Einrichtungen der NATO-Raketenabwehr sein. Sie erreicht Mach 10 und fliegt, je nach Quelle, entweder 1800 km oder sogar 2000 km weit. „Kinzhal“ kann in jeder Flugphase Ausweichmanöver fliegen und so feindlichen Abfangraketen ausweichen. Sie kann entweder nuklear oder konventionell bestückt werden.

Laut russischen Angaben ist die neue Lenkwaffe bereits im Einsatz. Schon im Dezember 2017 soll die erste MiG-31-Einheit aufgestellt worden sein und bis März 2018 um die 250 Trainingseinsätze geflogen haben.

Die Produktion des schweren Schwenkflügelbombers Tu-160 soll neu anlaufen, kommt aber nicht voran. Im Bild eine der bislang gebauten 16 Maschinen. (#2)

Die Produktion des schweren Schwenkflügelbombers Tu-160 soll neu anlaufen, kommt aber nicht voran. Im Bild eine der bislang gebauten 16 Maschinen. (#2)

R-28 „Sarmat“ ersetzt ältere Raketengeneration

Die strategischen Raketentruppen bekommen mit der R-28 „Sarmat“ eine neue Interkontinentalrakete, die seit 2009 in der Entwicklung ist und zur Zeit erprobt wird. R-28 kann zwischen zehn und 24 Atomsprengköpfe ins Ziel bringen oder aber bis zu 24 „Avangard“-Hyperschallgleiter. Außerdem ist sie mit Störsystemen ausgerüstet, die die US-amerikanischen Abwehrsysteme irreführen sollen.

Wie die sowjetischen strategischen Streitkräfte halten die russischen Raketentruppen an der Praxis fest, mehrere leichte und schwere Raketentypen in Dienst zu haben. Die leichten Typen sind mobil und können von speziellen Werferfahrzeugen gestartet werden. Dagegen starten die schweren Raketen aus Silos. Die R-28 „Sarmat“ gehört mit 220 Tonnen Startgewicht zu den schweren Interkontinentalraketen. Sie wird aus Silos gestartet und von flüssigen Raketentreibstoffen angetrieben. Ihre volle Nutzlast beträgt 10 Tonnen. Theoretisch könnte sie anstelle der Mehrfachsprengköpfe eine einzelne 50-Megatonnen-Waffe ins Ziel bringen. Aber zum Glück hat keine Großmacht eine derartige Bombe im Arsenal.

Experten nehmen an, dass die RS-28 „Sarmat“ ihre Ziele nicht nur über die übliche Nordpolarroute anfliegen kann. Sie soll auch in der Lage sein, eine ballistische Kurve über den Südpol, also in der Gegenrichtung, zu fliegen und quasi im Rücken der US-amerikanischen Verteidigung. Auch könnte die oberste Stufe mit den Sprengköpfen eine stabile Erdumlaufbahn erreichen und von dort aus ihre Waffenträger einsetzen.

Ein erster erfolgreicher Abwurftest mit Sprengkopfattrappen hat im Dezember 2017 stattgefunden. Außerdem teilte das russische Verteidigungsministerium mit, dass im März 2018 ein zweiter erfolgreicher Teststart durchgeführt worden war.

Kann die russische Industrie Putins Waffen wirklich liefern?

Experten wie der US-amerikanische Politikwissenschaftler Michael Kofman erwarten, dass die meisten dieser Waffen im Laufe des nächsten Jahrzehnts in Dienst gestellt werden. Kofmann betreibt das Blog „Russia Military Analysis“, auf dem er die Entwicklungen im russischen Militär verfolgt. Der Wissenschaftler arbeitet für die CNA Corporation, eine unabhängige Forschungseinrichtung in Washington, DC. Für ihn ist Putins Rede über neue Waffen eine Warnung speziell an den US-Präsidenten Trump, Russlands Interessen zu achten.

Er hält Russland für fähig, die von Putin beschriebenen Waffen auch zu produzieren.Victor Abramamowicz ist ein australischer Politikwissenschaftler, der sich auf Verteidigungs- und Sicherheitsthemen spezialisiert hat. Er arbeitet unter anderem für das Lowy Institute, einen unabhängigen Think tank. Seine Einschätzung: „Was der Kreml wirklich fürchtet, ist, dass Washington im Geheimen große Zahlen von Abwehrraketen aufstellt, ohne Russland die Chance zu Gegenmaßnahmen zu lassen.“

Neuauflage des Informationskrieges – Bluff und Gegen-Bluff

Mit der Neuauflage der Ost-West-Konfrontation erlebt auch der Informationskrieg und das Wechselspiel von Bluff und Gegen-Bluff zwischen beiden Seiten eine Neuauflage. Wie in der Vergangenheit bemühen sich beide Seiten, als Scheinriesen zu erscheinen und ihre Fähigkeiten positiver und wirkmächtiger darzustellen als sie eigentlich sind.

Die Sowjetunion setzte dabei eher auf eine Kombination aus extremer Geheimhaltung und gezielten Fehlinformationen, die USA dagegen lancierten gerne PR-Kampagnen und Forschungsvorhaben, um ihre Gegenspieler in die Irre zu führen. Eine wichtige Rolle dabei spielten auf beiden Seiten die Ankündigung großer Projekte, von denen dann in der Folgezeit nur noch wenig zu hören war.

Amerika fällt auf sowjetische Bluffs herein

Beide Seiten erzielten große Erfolge. Hier sind die ‚Raketenlücke‘ und die ‚Bomberlücke‘ zu nennen, die in der US-amerikanischen Innenpolitik der späten 1950er Jahre eine große Rolle spielten und die John F. Kennedy bei seiner Wahlkampagne für sich zu nutzen verstand. Dabei beruhten sich auf sowjetischen Desinformationen. Darunter waren Hinweise auf einen Bomber mit Nuklearantrieb und auf eine Tupolew Tu-22 mit sechs Propellerturbinen, die aber nur als Studie existierte. Immerhin schaffte es die Tu-22 in ein Heft der „Buck Danny“-Comics um die Abenteuer eines Trios US-amerikanischer Jetpiloten.

Der atombetriebene Bomber war da erfolgreicher. Er beschäftigte über Jahre westliche Geheimdienstler, Militärs, Politiker und Presseorgane. Wer immer einen Grund hatte, auf die sowjetische Bedrohung hinzuweisen, kam irgendwann mit eben diesem Atomflugzeug um die Ecke. Außerdem ließ die sowjetische Luftwaffe bei ihrer jährlichen Parade immer wieder Prototypen mitfliegen, um dann so zu tun, als handele es sich dabei um Einsatzmuster. Die Realität war wesentlich prosaischer und gelegentlich eher peinlich. Ein anderer Weg waren Publikationen sowjetischer Forscher in internationalen Fachzeitschriften, etwa über künstliche Gravitation, Energiewaffen oder den hohlen Erdmond.

Amerikas Desinformationskampagne: Hollywood-Filme, UFO-Legenden und strikte Geheimhaltung

Die Amerikaner fuhren genauso zweigleisig wie die Russen. Der offene Teil der Kampagne wurde über die Medien geführt – etwa durch Zeitschriftenartikel oder Dokumentarfilme über die Leistungsfähigkeit der US-Streitkräfte und ihrer Waffen. Hollywood war mit im Spiel und sorgte durch einen konstanten Strom von Filmen wie „Top Gun“, „Airborne – Flügel aus Stahl“ und unzähligen anderen für den richtigen Eindruck.

Ebenfalls überwiegend ein Propagandatrick war die Inszenierung des Raketenabwehrprogramms in den 1980er und 1990er Jahren. Diese Erzählung dominierten fortgeschrittene Waffensysteme, von denen bestenfalls Prototypen mit sehr eingeschränkten Fähigkeiten existierten. Was wirklich funktionierte, unterlag strikter Geheimhaltung, speziell die so genannten ‚Stealth‘-Flugzeuge. Die Geheimhaltung wurde nicht wie im Ostblock durch ein Spitzelsystem und drakonische Strafen abgesichert, sondern wiederum durch Desinformation. Um von der Entwicklung der Tarnkappenflugzeuge abzulenken, wurden gezielt Falschinformationen verbreitet. Wer im Südwesten der USA reale Testflugzeuge im Flug zu sehen bekam, wurde gerne als Ufogläubiger diskreditiert. Außerdem wurden scheinwissenschaftliche Artikel über eine neue Kampfjet-Generation verbreitet. Danach wären gerade abgerundete Formen geeignet, das Radarecho eines Flugzeugs zu streuen, und in der Presse erschienen Illustrationen, die genau solche Flugzeuge zeigten. Das FBI ermittelte sogar gegen einen Hersteller von Modellbausätzen, weil der angeblich Zugang zu geheimen Informationen hatte. Allerdings sah die reale F-117 dann mit ihren Ecken und Kanten völlig anders aus.

Video: „The Russian RS-28 Sarmat Super Heavy ICBM, 17,000+ Km“

Die RS-28 ist die schwerste Interkontinentalrakete der Welt. Sie soll ältere Raketentypen ablösen. Zur Zeit ist sie in Erprobung.

Putins Superwaffen und die realen Probleme der russischen Rüstungsindustrie

Russland hat im Prinzip dieselben Probleme wie der Westen. Die Budgets sind knapp und die Industrie liefert oft weder pünktlich noch in dem Zustand, der bei Auftragserteilung vereinbart war. Zudem zeigt sich immer wieder, dass die russische Rüstungsindustrie mit der nötigen Modernisierung nicht voran kommt.

Die Entwicklungsgeschichte der RS-28 „Sarmat“ ist ein gutes Beispiel dafür. Bereits im Februar 2014 sprach ein hoher russischer Militär davon, dass die Rakete um 2020 einsatzbereit sein soll. Im Mai 2014 sprachen offizielle Quellen dann davon, dass die Rakete alle älteren Typen ersetzen sollte. Aber im folgenden Jahr verzögerte sich die Fertigstellung des ersten Prototypen, obwohl die RS-28 schon 2016 einsatzbereit sein sollte. Zumindest wurde 2016 die erste Stufe, die die Rakete in die obere Atmosphäre bringt, erfolgreich getestet. Aber die Verzögerungen gingen weiter. Erst im Februar 2017 sollten dann die ersten Versuchsmuster an das Versuchszentrum in Plesetsk geliefert worden sein, aber das Testprogramm verzögerte sich – dieses Mal wegen nötiger Kontrollen der wichtigsten Komponenten.

Auch in Putins Russland dauert alles etwas länger

Auch sind wichtige Beschaffungsprogramme wie die neue Serie des schweren Bombers Tupolew Tu-160, das Kampfflugzeug Sukhoi Su-57 oder der neue Kampfpanzer T-14 „Armata“ wegen finanzieller und technischer Probleme immer wieder verschoben worden. So sollte die Produktion neuer Tu-160-Bomber schon Anfang des Jahrhunderts beginnen. Dasselbe gilt für die Modernisierung der 16 aktiven Maschinen. Nun sollen 2021 die ersten neuen Flugzeuge abgeliefert werden, obwohl schon 2008 ein neu produziertes Flugzeug geflogen ist. Allerdings liegt die industrielle Infrastruktur für die Tu-160 seit den frühen 1990er Jahren praktisch still. Speziell der Triebwerkshersteller Kusnezow tut sich schwer damit, nach über 25 Jahren die Produktion wieder aufzunehmen.

Nachdem der erste neue Bomber bereits Anfang 2018 geflogen und abgeliefert wurde, sollen nun ab 2021 pro Jahr drei Maschinen in Dienst gestellt werden. Ziel sind 50 neue Flugzeuge. Beim neuen Jäger Su-57 machen die Triebwerke und die anspruchsvolle Elektronik Probleme, sodass die russische Luftwaffe nun weiterhin bereits bewährte Typen bauen lässt. Der T-14-Kampfpanzer, von dem noch 2015 über 2000 Stück gebaut werden sollen, ist immer noch in der Testphase. Am meisten hatte die Marine unter Kürzungen zu leiden.

Russland baut Korvetten und Fregatten, die für diese Kriegsschiffskategorie relativ groß sind und mit weitreichenden Lenkwaffen bewaffnet sind. Eindrucksvolle Demonstrationen ihrer Feuerkraft lieferten diese Schiffe im Syrienkrieg ab. Außerdem hat Russland die meisten strategischen U-Boote aus der Sowjetzeit ersetzt und erneuert auch seine Flotte nuklearer Jagd-U-Boote. Aber größere Überwasserkriegsschiffe wie Zerstörer, Lenkwaffenkreuzer oder Flugzeugträger werden bis auf weiteres nicht gebaut. Nicht nur, weil das Geld fehlt. Auch deshalb, weil die russische Schiffbauindustrie veraltet ist und sie schlicht nicht liefern kann.

Fazit: Es bleibt abzuwarten, ob Russland seine ehrgeizigen Rüstungsvorhaben in der von Putin angekündigten Form verwirklichen kann.


Bildnachweis: Titelbild: ©: Alexandr Markin via Wikimedia Commons., – #01: ©Presse- und Informationsbüro des russischen Präsidenten via WikiMedia Commons., – #02: ©: Alexandr Markin via Wikimedia Commons.

Über Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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