Airbus A350-1000: Wird der Prototyp ein Erfolg werden?

Jeder kennt ihn, jeder hat ihn vielleicht sogar schon einmal gesehen und viele Menschen sind sogar schon mit der Maschine geflogen. Die A350-Familie von Airbus, ist berühmt und hat einen beeindruckenden Erfolg. Doch wie sieht es mit dem Spitzenmodell Airbus A350-1000 aus?

Der Jumbokiller Airbus A350-1000: Was macht ihn so besonders?

Es sind vor allem die Triebwerke, von denen die Kenner schwärmen. Während die A350-Familie bei Airbus seit 2015 bereits in der Luft ist und schon viele Modelle verkauft wurden, ist es der sogenannte Jumbokiller, der für Aufsehen sorgt. Durch seine besonders starken Triebwerke sorgt der Airbus A350-1000 dafür, dass Airbus hier deutlich beeindruckendere Antriebe verbauen muss. Pro Turbine wird eine Energie von 50.000 PS geliefert. Die Maschine mit ihrem Gewicht von 300 Tonnen hat Platz für bis zu 400 Menschen. Dieses Gewicht will in der Luft gehalten werden und das ist durch die Turbinen möglich.

Durch dieses Flugzeug hat es Airbus geschafft, sich mit seinen Flugzeugen sogar vor Boeing zu setzen und dies war lange Zeit nicht möglich. Ebenso wie andere Flugzeuge aus der Familie, wird dieses auch mit einem Kohlefaserrumpf versehen. Ziel ist es, dass der Airbus A350-1000 auch deutlich längere Strecken zurücklegen kann.

Allerdings dauert es noch ein wenig, bis der Airbus A350-1000 in den Verkauf geht. Denn die 777-Familie soll tatsächlich erst dann fertig werden, wenn sich das aktuelle Jahrzehnt dem Ende zuneigt,  so hieß es zumindest. Doch Airbus hat ein großes Interesse daran, möglichst schnell fertig zu werden, denn bereits vor dem ersten Flug hatte der Anbieter knapp 200 Maschinen verkauft.

Durch seine besonders starken Triebwerke sorgt der Airbus A350-1000 dafür, dass Airbus hier deutlich beeindruckendere Antriebe verbauen muss. (#01)

Durch seine besonders starken Triebwerke sorgt der Airbus A350-1000 dafür, dass Airbus hier deutlich beeindruckendere Antriebe verbauen muss. (#01)

Warum möchten Airlines den Airbus A350-1000?

Interessant ist die Frage, warum die Airlines so ein großes Interesse am Airbus A350-1000 haben. Mit dem A380 sind bereits jetzt lange Routen möglich. So wird die Verbindung von Los Angeles nach London immerhin einmal pro Tag geboten. Mit einer kleineren Maschine wäre es möglich, diese Strecken sogar zweimal täglich anbieten zu können.

Dabei würden pro Sitz ähnliche Kosten anfallen und die Airlines deutlich mehr verdienen. Das heißt, der A350 könnte sogar dafür sorgen, dass der A380 gar nicht mehr gefertigt wird und man sich in Toulouse in eine andere Richtung orientiert. Denn der doppeltstöckige Airbus ist längst nicht mehr so beliebt, wie es vor einigen Jahren noch der Fall war. Die Großaufträge bleiben aus. So musste auch Airbus die Konsequenzen ziehen und hat durch Tom Enders verkünden lassen, dass es nur noch 12 A380 pro Jahr geben wird, die in den Hallen in Toulouse gefertigt werden. Diese Information wurde bereits 2016 herausgegeben.

Der Erstflug vom Airbus A350-1000

In Toulouse werden die beeindruckenden Flugzeuge hergestellt und auch die Erstflüge werden hier geplant. Dies ist eine aufregende Sache. Zwar werden die Flugzeuge einer detaillierten Bodenkontrolle unterzogen. Allerdings kann dennoch niemand abschätzen, wie das Flugzeug in der Luft reagiert. Aus diesen Gründen ist eine deutliche Absicherung notwendig.

Dazu gehört es, dass die Piloten auf den Ernstfall vorbereitet sind und über eine Ausstattung mit Fallschirmen verfügen. Vor dem Erstflug erfolgt dann noch einmal die Erhöhung der Geschwindigkeit bei den Bodentests. Hier wird das Flugzeug auf bis zu 60 Knoten gebracht. Diese Geschwindigkeit hat eine wichtige Bedeutung, denn sie macht es möglich, dass eine Überprüfung von Fahrwerk, Triebwerken und Elektronik durchgeführt werden können.

Ende des Jahres 2016 war dann der Erstflug des Airbus A350-1000 geplant. Der Erstflug selbst war für Airbus ein Auftakt, um weitere Testreihen starten zu können. Auch in 2017 ging es weiter. Einige Meilensteine weisen schon darauf hin, wie erfolgreich die Serie wirklich sein wird. Bereits bei dem Ersttest werden beim Flug über 600.000 Flugpunkte dauerhaft kontrolliert. So soll schnell erkennbar sein, wenn etwas nicht stimmt.

Ende des Jahres 2016 war dann der Erstflug des Airbus A350-1000 geplant. (#02)

Ende des Jahres 2016 war dann der Erstflug des Airbus A350-1000 geplant. (#02)

Meilensteine des Airbus A350-1000: Auf dem Weg zum Erfolg

Durch die Entwicklung und Anpassung der Maschinen gibt es verschiedene Erstflüge, die durchgeführt werden. Im Februar 2017 startete dann der dritte Prototyp aus Toulouse, musste jedoch vorzeitig abbrechen, da es zu Problemen kam. Es gab bei der Landung keine Schwierigkeiten. Nur eine Woche später wurden Vibrationstests durchgeführt. Diese sind notwendig für die Zulassung verschiedener Bodentestes.

Die Vibrationstests selbst wurden durch Airbus verkürzt und deutlich vereinfacht. Hier ist ein Team aktiv, das aus Mitarbeitern besteht, die verschiedene Bereiche abdecken und dadurch in der Lage sind, schnell zu reagieren. Ziel der Tests ist es, mehr über das dynamische Verhalten der Maschine zu erfahren.

Ein aufregender Meilenstein, der ebenfalls im Februar durchgeführt wurde, war die Reise zu Kältetests. Der Airbus A350-1000 machte sich dafür auf den Weg nach Kanada. Nach einer Flugzeit von nur etwas mehr als 9 Stunden erfolgte auch schon die Landung in Iqauit. Gestartet wurde aus Toulouse. Die Temperaturen an dem Ort in Kanada liegen bei minus 29 Grad Celsius.

Hier sollen Tests durchgeführt werden, die Aufschluss über die Auskühlung geben. Das Flugzeug steht dabei über Nacht im Freien, die Systeme sind ausgeschaltet. Am Morgen danach müssen diese ganz einfach wieder anspringen, es darf nicht zu Problemen kommen. Zudem muss sich die Kabinenheizung beweisen. Kanada ist bei vielen Herstellern das Ziel für Kältestests. Es folgten weitere Tests, unter anderem auch in Südamerika und in Wales. So wurden in Wales im Mai die Tanktests durchgeführt.

Der erste Testflug mit Passagieren: Der Airbus A350-1000 hebt ab

Im Mai war es soweit und der Airbus A350-1000 ging das erste Mal mit Passagieren in die Luft. Dabei handelte es sich um Mitarbeiter des Unternehmens, die als Testpassagiere an Bord waren. Insgesamt 12 Stunden dauerte der Flug. Er begann in Toulouse und endete dort auch wieder. Immerhin 310 Menschen waren an Bord und hatten die Möglichkeit, die verschiedenen Kabinensysteme zu testen.

Dies gilt beispielsweise für die Beleuchtung und Toiletten sowie die Akustik und auch die Elektrik. Interessant zu wissen ist, dass der Airbus A350-1000 in großen Teilen ähnlich zum A350-900 ist. So gibt es hier eine Übereinstimmung von 95 Prozent, was die Kommunalität angeht. Die Unterschiede liegen vor allem bei der Länge, die Platz für 40 Passagiere mehr bietet. Auch die Flügelhinterkante wurde angepasst. Genau dies kann den Airbus A350-1000 auch so interessant und erfolgreich machen.

Video: Airbus A350-1000

Der Erfolg stellt sich ein

Der Erfolg des Airbus A350-1000 stellt sich schon bald ein, denn bereits im Juli hat China 140 Flugzeuge bestellt. Hier gab es einen Staatsbesuch, der durch Xi Jinping durchgeführt wurde. Der Staatsbesuch in Berlin war für Airbus ein voller Erfolg, denn die chinesische Beschaffungsbehörde hat gleich 140 Flugzeuge bestellt.

Doch was auf den ersten Blick wie ein großer Erfolg für den Airbus A350-1000 klingen mag, wird gleich revidiert, denn die Bestellung gilt für 100 Flugzeuge, die aus der A320-Familie kommen sowie 40 Flugzeuge aus der A350 XWB-Familie. Die Bestellung selbst hat einen Wert in Höhe von fast 23 Milliarden Dollar. Noch ist also nicht erkennbar, wie groß der Erfolg der Maschine tatsächlich sein wird, doch die Erwartungen sind groß, vor allem in Bezug auf die Konkurrenzsituation.

Der Airbus A350-1000 gegen Boeing

Die Entwicklung von einem Jumbokiller wurde durch Airbus natürlich auch deshalb nach vorne getrieben, weil die Konkurrenz am Markt groß ist. Ganz vorne mit dabei steht Boeing. Bisher ist die Vormacht des Konkurrenten von Airbus noch groß. Langstreckenjets mit zwei Triebwerken kommen bisher in einer großen Menge von Boeing, nun soll die Stretch-Lösung sich nach vorne schieben.

Der Airbus A350-1000 ist aktuell der größte zweistrahlige Jet, den es auf dem Markt von Airbus gibt. Fabrice Brégier von Airbus hat bereits nach dem Erstflug darauf hingewiesen, dass der Airbus A350-1000 wie gemacht ist, um gegen den 777-300ER ins Feld zu ziehen. Dies ist auch das Ziel von Airbus. Die Konkurrenz ist hart und in den letzten Jahren hatte das Unternehmen stark darunter zu leiden. Umso wichtiger ist es, sich am Markt zu positionieren.

Der Airbus A350-1000 hat für bis zu 366 Passagiere Platz und ist damit allein schon von der Größe her für Airlines besonders interessant. Das ist aber noch längst nicht alles, denn spannend dürfte auch der Blick auf den Treibstoff-Verbrauch sein. Dieser ist um 25 Prozent geringer im Vergleich zu dem Konkurrenz-Flugzeug. Auch die geplante Boeing 777X soll durch den Airbus A350-1000 aufs Korn genommen werden. Doch das sind bisher nur Planungen, klare Zahlen zum Erfolg des Airbus A350-1000 liegen noch nicht vor.

Der Airbus A350-1000 hat für bis zu 366 Passagiere Platz und ist damit allein schon von der Größe her für Airlines besonders interessant. (#03)

Der Airbus A350-1000 hat für bis zu 366 Passagiere Platz und ist damit allein schon von der Größe her für Airlines besonders interessant. (#03)

Fazit:

Der Erfolg vom Airbus A350-1000 ist noch nicht messbar

Die Frage nach dem Erfolg von einem Prototyp des Airbus A350-1000 ist noch nicht zu beantworten. Auch wenn die Tests aktuell mit einem relativ großen Erfolg absolviert wurden und die ersten Bestellungen eingegangen sind, lässt sich noch nicht sagen, inwieweit der Kampf um die ersten Plätze auf dem Feld der Jumbokiller wirklich an Airbus gehen wird. Dennoch sind die Hoffnungen groß und in Toulouse wird bereits geplant, den Airbus A350-1000 in größeren Mengen auf den Markt zu bringen.

Interessant wird es, wenn die Airlines sich zu ihren Bestellungen bekennen und einzusehen ist, wie hoch die Menge ist. Doch das kann noch ein wenig dauern, denn bisher ist das Flugzeug noch nicht ausgeliefert worden. Ein paar Monate müssen sich die Interessenten noch gedulden, bis sich weitere Aussagen treffen lassen.


Bildnachweis:© Shutterstock – Titelbild: Alexey Y. Petrov – #01:/#02:/#03: Alexey Y. Petrov

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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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