Boeing T-X: ein neuer Trainer stellt sich vor

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Die Hüllen fallen und Boeing T-X, der neue Trainer für Kampfjets kommt zum Vorschein. Die Präsentation neuer Kampfjets hat mittlerweile Seltenheitswert. Allein ihre Entwicklung ist so teuer und langwierig, dass zwischen der Vorstellung des ersten Entwurfs, dem fertigen ersten Prototyp und der tatsächlichen Indienstellung gerne mal Jahrzehnte ins Land gehen. Umso bemerkenswerter ist daher der Roll-Out des ersten Prototyps der Boeing-Saab T-X am 13. September 2016.

Ein Nachfolger für die T-38: die Boeing T-X

Hinter der Kürzel „T-X“ verbirgt sich der Wettbewerb für einen neuen Einsatztrainer für die U.S. Air Force. Das neue Flugzeug soll die mittlerweile fast 60 Jahre alte Northrop T-38 „Talon“ ersetzen, auf der auch deutsche Kampfflieger ihr Handwerk lernen. Deutsche Piloten nehmen in den USA am Euro NATO Joint Jet Pilot Training (DDO/DtA ENJJPT)-Programm teil. In der ersten Stufe lernen sie auf dem Turboprop-Trainer Beech/Raytheon T-6 „Texan II“ ihr fliegerisches Handwerk. Für die zweite Stufe steigen sie seit rund 40 Jahren auf die T-38 um und lernen die Grundlagen der Kampffliegerei, also etwa Luftkampftaktiken, Waffentraining und das Fliegen im hohen Unterschallbereich und jenseits davon. Dafür unterhält die deutsche Luftwaffe 46 „Talons“ in den USA, die allerdings amerikanische Hoheitszeichen tragen.

Die Boeing T-X in der geöffneten Halle. Damit das Foto cooler wirkt, hat  man die Feuerwehr Hallenboden und Vorfeld einnässen lassen – eigentlich ein alter Autohändler-Trick, wenn es darum geht, einen schäbigen Gebrauchten besser aussehen zu lassen.  (#01)

Die Boeing T-X in der geöffneten Halle. Damit das Foto cooler wirkt, hat man die Feuerwehr Hallenboden und Vorfeld einnässen lassen – eigentlich ein alter Autohändler-Trick, wenn es darum geht, einen schäbigen Gebrauchten besser aussehen zu lassen. (#01)

Das neue Flugzeug soll nun die Aufgaben der T-38 übernehmen. Idealerweise braucht man für die taktische Kampffliegerausbildung ein Flugzeug, das den späteren Einsatzmustern in seinen Flugeigenschaften und in vielen anderen Charakteristiken möglichst nahe kommt. Deswegen haben Boeing und Saab einen Jet entworfen, der im Grunde genauso aussieht und sich fliegt wie ein Kampfflugzeug: Er hat wie die meisten Jets ein Doppelleitwerk, ein Jägertriebwerk, nämlich das General Electric F404 und ein Cockpitlayout wie ein Kampfjet. Die Displays können sogar so konfiguriert werden, dass sie einen bestimmten Flugzeugtyp darstellen. Man kann also auf diesem Flugzeug F-22-Piloten genauso schulen wie F-35-Piloten, F-15- oder F-16-Flieger.

Mit der T-X bewerben sich Boeing und Saab um den Auftrag für einen neuen Fortgeschrittenen-Trainer der US-Luftwaffe. (#02)

Mit der T-X bewerben sich Boeing und Saab um den Auftrag für einen neuen Fortgeschrittenen-Trainer der US-Luftwaffe. (#02)

Boeing und Saab arbeiten an einem kompletten Ausbildungssystem, zu dem auch Simulatoren am Boden und computergestütztes Lehrmaterial für den eher biederen Unterricht im Hörsaal oder Klassenraum gehören. Boeing und Saab schlossen im Dezember 2013 eine Kooperationsvereinbarung, um für die T-X-Ausschreibung einen gemeinsamen Entwurf anzubieten. Die amerikanische Luftwaffe sieht zur Zeit einen Bedarf für 350 Maschinen einschließlich Bodengeräte und logistische wie technische Unterstützung.

Warum ein Überschallflugzeug als Trainer?

Die Ablösung der wirklich sehr alten T-38 ist mittlerweile mehr als überfällig. Die „Talon“ stammt aus den 1960er und 1970er Jahren. Nicht nur der Entwurf ist mittlerweile nicht mehr zeitgemäß, auch die Flugzeuge selbst sind trotz mehrfacher Modernisierungen abgeflogen. Zwar hat die U.S. Air Force ihnen vor einigen Jahren noch digitale Cockpits einbauen lassen, aber auch diese Avionik ist mittlerweile veraltet und bereitet Flugschüler nur noch ungenügend auf moderne Kampfflugzeuge wie den Eurofighter Typhoon, die McDonnell Douglas F-15 Eagle, General Dynamics F-16 Fighting Falcon, Lockheed Martin F-35 Lightning II oder die Lockheed Martin F-22 Raptor vor.

In der T-X sitzt die Besatzung hintereinander, ebenso wie in so gut wie allen Kampfjets mit Zwei-Mann-Besatzung. Der Flugschüler sitzt vorne, der Fluglehrer leicht überhöht hinten. Die Sitze sind geneigt, damit die Flieger die auf sie einwirkenden G-Kräfte leichter ertragen können. Die Boeing T-X wird als Jettrainer für Kampflugzeuge dienen wie  beispielsweise die Eurofighter Typhoon, die McDonnell Douglas F-15 Eagle, General Dynamics F-16 Fighting Falcon, Lockheed Martin F-35 Lightning II oder die Lockheed Martin F-22 Raptor (#03)

In der T-X sitzt die Besatzung hintereinander, ebenso wie in so gut wie allen Kampfjets mit Zwei-Mann-Besatzung. Der Flugschüler sitzt vorne, der Fluglehrer leicht überhöht hinten. Die Sitze sind geneigt, damit die Flieger die auf sie einwirkenden G-Kräfte leichter ertragen können. Die Boeing T-X wird als Jettrainer für Kampflugzeuge dienen wie beispielsweise die Eurofighter Typhoon, die McDonnell Douglas F-15 Eagle, General Dynamics F-16 Fighting Falcon, Lockheed Martin F-35 Lightning II oder die Lockheed Martin F-22 Raptor (#03)

Dass schon in der Ausbildung ein echtes Überschallflugzeug zum Einsatz kommt, ist eine US-amerikanische Besonderheit. Andere Luftwaffen nutzen hierfür einen Trainer, der hohe Unterschallgeschwindigkeit erreicht, also etwa den Dassault/Dornier Alpha Jet, die britische BAE Hawk, die italienische Aermacchi M.346 oder die russische Yak-130. Südkorea hat, wie andere Verbündete der USA, bei der Kampffliegerausbildung den gleichen Weg eingeschlagen wie die USA. Allerdings hat Südkorea seine T-38-Flotte schon vor Jahren durch die mit Unterstützung von Lockheed-Martin im eigenen Lande entwickelte T-50 ersetzt.

Die U.S. Air Force hat einen Bedarf von rund 350 T-X-Flugzeugen. Ob sich der Entwurf von Boeing und Saab durchsetzt, muß sich noch zeigen. (#04)

Die U.S. Air Force hat einen Bedarf von rund 350 T-X-Flugzeugen. Ob sich der Entwurf von Boeing und Saab durchsetzt, muß sich noch zeigen. (#04)

Wenig überraschend bieten Korean Aircraft Industries (KAI) und Lockheed-Martin denn auch die KAI T-50 Golden Eagle für die T-X-Ausschreibung an. KAI hat die T-50 bereits an andere Länder in Asien verkauft und baut zudem eine einsitzige Kampfversion. Im Prinzip böte sich hier eine kostengünstige Lösung an, weil auf bereits bewährte Technik zurückgegriffen werden kann.

Blick auf den zweiten Prototypen der Boeing T-X im Bau. Offene Panels zeigen, wo noch Ausrüstung installiert werden muß. (#05)

Blick auf den zweiten Prototypen der Boeing T-X im Bau. Offene Panels zeigen, wo noch Ausrüstung installiert werden muß. (#05)

Allerdings lässt sich das Ergebnis des Wettbewerbs kaum voraussagen. Am Ende dürfte sich eher die Lösung durchsetzen, die politisch am attraktivsten ist, das heißt, die meisten Jobs in die meisten amerikanischen Wahlkreise bringt. Der Preis dürfte keine große Rolle spielen, denn der US-Kongress hat oft sehr eigene Vorstellungen davon, was die Streitkräfte wirklich brauchen und bestellt auch schon mal Flugzeugträger, für die die Navy keine Matrosen und keine Flugzeuge hat. Man kann sich also auf ungefähr ein Jahrzehnt politischen Gerangels und den einen oder anderen Skandal einstellen, bevor die U.S. Air Force ihre ersten neuen Trainingsflugzeuge übernehmen kann. Die deutsche T-38-Flotte wird mindestens noch bis 2020 im Einsatz bleiben. Über einen Nachfolger hat man sich hierzulande wohl noch keine Gedanken gemacht. Von der T-38 fliegen weltweit noch rund 500 Maschinen, die meisten davon in den USA.


Bildnachweis: © Titelbild + #01 + #02 + #03 + #04 + #05 BOEING

Über den Autor

Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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