Racer mit 400 km/h Speed: DLR und Airbus bauen Hochgeschwindigkeitshubschrauber

Hubschrauber füllen ein breites ziviles und militärisches Aufgabenspektrum aus. Allerdings haben sie zwei Nachteile. Sie sind laut, und sie sind nicht besonders schnell. Der Entwurf von Airbus und DLR zum Hochgeschwindigkeitshubschrauber „Racer“ öffnet ein Tor in eine neue Welt…

Airbus und DLR arbeiten an innovativem Hubschrauber

Der Rotorlärm von Hubschreubern schränkt ihren Einsatz über bewohnten Gebieten stark ein, während die recht niedrigen Geschwindigkeiten zwischen 200 und 300 Kilometern pro Stunde etwa im Rettungseinsatz wertvolle Zeit kosten können. Auch für die Geschäftsfliegerei wäre ein schnelles, senkrecht startendes Luftfahrzeug ideal.
Auf der diesjährigen Luftfahrtschau in Paris-Le Bourget stellte der europäische Luftfahrtkonzern Airbus den endgültigen Entwurf für den Hochgeschwindigkeitshubschrauber „Racer“ vor. „Racer“ steht für „Rapid And Cost-Effective Rotorcraft“, zu deutsch etwa „schnelles, kosteneffektives Rotorflugzeug“. An der „Racer“-Entwicklung arbeitet auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit.

„Racer“ verbindet die Fähigkeiten eines Hubschraubers mit der Geschwindigkeit eines Propellerflugzeugs. „Racer“ verbindet die Fähigkeiten eines Hubschraubers mit der Geschwindigkeit eines Propellerflugzeugs.

„Racer“ verbindet die Fähigkeiten eines Hubschraubers mit der Geschwindigkeit eines Propellerflugzeugs. (#1)

„Racer“ von Airbus und DLR: Schneller Verbundhubschrauber

Der „Racer“ von Airbus und DLR ist ein so genannter Verbundhubschrauber, der Geschwindigkeiten bis zu 400 Kilometern pro Stunde erreichen soll. Neben dem großen Hauptrotor sorgen Doppeldecker-Tragflächen für zusätzlichen Auftrieb. An den Flächenenden montierte Propellerturbinen liefern den Vorwärtsschub für die hohen Geschwindigkeiten. Außerdem treiben sie über Fernwellen den großen Rotor an. Die Kombination von Rotor, Tragflächen und Triebwerken für den Geradeausflug sorgt dafür, dass der Hauptrotor im Marschflug entlastet wird. Bei konventionellen Hubschraubern liefert der Hauptrotor beides – Antrieb und Auftrieb.

Denkbare Einsatzbereiche für den „Racer“: Polizeihubschrauber, Such- und Rettungsaufgaben, Geschäftsfliegerei, aber auch militärische Aufgaben wie Aufklärung oder der Transport von Spezialkräften.

Denkbare Einsatzbereiche für den „Racer“: Polizeihubschrauber, Such- und Rettungsaufgaben, Geschäftsfliegerei, aber auch militärische Aufgaben wie Aufklärung oder der Transport von Spezialkräften. (#2)

DLR-Forscher liefern den Entwurf der Tragflächen und des Höhenleitwerks. Außerdem haben sie die akustischen Eigenschaften des „Racer“ im Hinblick auf möglichst große Lärmminderung untersucht. „Das endgültige Design erfüllt alle Anforderungen und ermöglicht insbesondere die außergewöhnliche Flugleistung des Racer im gesamten Flugbereich bei gleichzeitig geringem Kraftstoffverbrauch“, sagt Dr. Thorsten Schwarz vom DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik in Braunschweig. „Unsere aerodynamischen Verbesserungen für den Heckausleger konzentrierten sich auf das Höhenleitwerk, damit eine gute Manövrierbarkeit und Stabilität des Hubschraubers in Verbindung mit einem geringen Luftwiderstand erreicht wird.“

Airbus sieht für Verbundhubschrauber eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten. Das könnte die notärztliche Versorgung sein, Such- und Rettungseinsätze, Einsätze als schneller Krankentransporter oder als Polizeihubschrauber. Hinzu kämen kommerzielle Passagier- oder Transportflüge. Auch militärische Aufgaben sind denkbar. Airbus plant, den „Racer“ 2020 erstmals zu fliegen.

Eurocopter X3, der Vorläufer von „Racer“, war 2012 auf der Internationalen Luftfahrtausstellung ILA in Berlin zu sehen.

Eurocopter X3, der Vorläufer von „Racer“, war 2012 auf der Internationalen Luftfahrtausstellung ILA in Berlin zu sehen. (#3)

Der Airbus „Racer“ – Vorläufer Eurocopter X3

Der „Racer“ basiert auf dem X3-Prototypen, den die in Airbus aufgegangene Firma Eurocopter zwischen 2008 und 2013 ausgiebig erprobte. Bei einem Testflug im Juni 2013 flog die X3 472 km/h schnell und stellte damit einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Hubschrauber auf.

Die X3 wies bereits dieselbe Auslegung wie der „Racer“ von Airbus und DLR auf, nutzt aber den Rumpf einer Aerospatiale AS 365 und das Rotorsystem einer Eurocopter EC 155. Eurocopter entstand ursprünglich aus der Fusion der Helikoptersparten von der französischen Aérospatiale und des deutschen Luftfahrtkonzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB). Seit 2013 firmiert das Unternehmen als Airbus Helicopters, das wiederum eine 100%ige Tochter von EADS ist.

Die AS 365 wanderte sozusagen mit, wurde weiter entwickelt und in EC 155 umgetauft.

So stellt sich Airbus die Einsatzbereiche des „Racer“ vor. Im Vergleich dazu der Technologie-Demonstrator Eurocopter X3.

So stellt sich Airbus die Einsatzbereiche des „Racer“ vor. Im Vergleich dazu der Technologie-Demonstrator Eurocopter X3. (#4)

Eurocopter schickte die X3 2012 auf eine Demonstrationstour durch die USA und versuchte, sogar die US-Streitkräfte für das ungewöhnliche Rotorflugzeug zu interessieren. Die X3 gewann im gleichen Jahr den Howard Hughes Award der American Helicopter Society. Nach Abschluss der Flugerprobung wanderte die X3 ins Musée de l’Air in Paris Le-Bourget.

Eurocopter/Airbus nannte seinerzeit ähnliche Bereiche wie für den „Racer“ als mögliche Absatzmärkte, also etwa Polizei- oder Rettungseinsätze, die Offshore-Fliegerei zur Versorgung von Bohrinseln oder als schnelles Geschäftsreiseflugzeug.


Bildnachweis: © Titelbild: Airbus Helicopter, -#1 Airbus Helicopter, -#2 Airbus Helicopter, -#3 Bernd Brincken via Wikimedia Commons. , -#4 Airbus Helicopter

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Über Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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