Lufthansa Technik und MTU gründen Wartungsunternehmen

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Wachstum im Markt für Reparatur und Instandhaltung von Passagier-Jets: Lufthansa Technik und der Triebwerkshersteller MTU Aero Engines gründen ein gemeinsames Instandhaltungsunternehmen für Getriebefan-Triebwerke.

MTU hat die Getriebefan-Technologie zusammen mit dem US-amerikanischen Triebwerkshersteller Pratt & Whitney entwickelt. Das Besondere dabei: Zwischen dem vorne sitzenden Fan eines Düsentriebwerks und dem direkt dahinter laufenden Niederdruckverdichter ist ein Untersetzungsgetriebe installiert.

Vorteile des MTU-Getriebefans

Überholung eines CFM-56-Triebwerks.

Überholung eines CFM-56-Triebwerks.

Das hat zwei Vorteile: Einmal erlaubt die MTU-Innovation dem Fan, sich langsamer zu drehen. Dafür können die dahinter liegenden Niederdruckverdichter und die Turbine mit höherer Umdrehungszahl laufen. Damit erreicht der Getriebefan einen wesentlich höheren Wirkungsgrad, der den Treibstoffverbrauch und den Ausstoß von Kohlendioxid deutlich senkt.

Der zweite Vorteil liegt im Lärmschutz. Die neuen MTU-Triebwerke sind erheblich leiser, weil sie im Gegensatz zu herkömmlichen Jet-Turbinen hochfrequente Töne erzeugen. Die liegen außerhalb des menschlichen Hörbereichs und werden von der Luft schneller gedämpft als die tieferen Töne. So schrumpft der Lärmteppich eines startenden Flugzeugs um rund 70 Prozent.

Hersteller wie Mitsubishi, Bombardier, Irkut, Airbus und Embraer haben sich für den Getriebefan als Antrieb für ihre neuen Kurz- und Mittelstreckenjets sowie für ihre Regionalverkehrsflugzeuge entschieden. Serienflugzeugen wie dem Airbus A320neo und der C Series von Bombardier fliegen bereits mit Getreibefan-Triebwerken. Außerdem sollen auch der Mitsubishi Regional Jet (MRJ), die russische MS-21 (Irkut) und die neuen E-Jets von Bombardier Getriebefan-Triebwerke erhalten.

Lufthansa Technik und MTU auf Standortsuche

Montage eines CFM-56-Motors bei Lufthansa Technik

Montage eines CFM-56-Motors bei Lufthansa Technik

Das gemeinsame Wartungsunternehmen von MTU und Lufthansa Technik soll 2020 seinen Betrieb aufnehmen. Das Unternehmen soll rund 300 Instandsetzungen pro Jahr an Getriebefan-Triebwerken vom Typ PW1000G durchführen. Diese Treibwerke treiben beispielsweise die Airbus A320neo-Familie an. MTU und Lufthansa Technik wollen bis 2020 rund 150 Millionen Euro investieren und um die 500 Arbeitsplätze schaffen

Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten beide Unternehmen am 20. Februar 2017 in Berlin. Wenn die zuständigen Kartellbehörden grünes Licht geben, kann das Wartungsunternehmen in der zweiten Jahreshälfte gegründet werden. Allerdings ist der zukünftige Standort noch offen. Ob er tatsächlich in Europa oder sogar in Deutschland liegen wird, muss sich noch zeigen.

Lufhansa Technik und MTU agieren in Wachstumsmarkt

Ein CFM56-3-Triebwerk wird zum Transport vorbereitet.

Ein CFM56-3-Triebwerk wird zum Transport vorbereitet.

Die beiden deutschen Traditionsunternehmen sind mit ihrer Entscheidung nicht allein, zumal der weltweite Markt für Wartungs- und Instandsetzung von Flugzeugen weiter robust wächst. Marktforscher erwarten ein jährliches Wachstum von rund 2 Prozent in den Jahren bis 2021. Auch Pratt & Whitney will an seinem Standort in Columbus/Ohio selbst weitere Kapazitäten zur Wartung speziell von Getriebefans schaffen und auch die dortige Produktion ausweiten. Das US-Unternehmen will 386 Millionen US-Dollar in neue Jobs und neue Maschinen investieren sowie zwei neue Fertigungshallen errichten.

Lufthansa Technik hat jahrzehntelange Erfahrungen mit der Überholung von Pratt & Whitney-Triebwerken. Seit Juli 2016 gehört das Unternehmen zum Instandhaltungs-Netzwerk für die Getriebefan-Triebwerke des US-Herstellers. MTU Aero Engines arbeitet mit Pratt & Whitney bei der PW1000G-Serie zusammen. Bislang hat MTU rund 8000 Bestellungen für Triebwerke mit Getriebefan erhalten.


Bildnachweis: © Gregor Schläger/Lufthansa Technik AG

Über den Autor

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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