Lilium Jet: Preis? Weniger als ein Taxi kosten würde…

Mit dem Lilium Jet zu einem Preis von 13 Dollar von Manhattan nach JFK Airport? In 5 Minuten? Kein Stau? Mit einem Flugzeug? Vom Parkplatz vor dem Haus starten? Die Story des Lilium Jet klingt so unglaublich, dass wir ihr ein wenig nachgehen mussten. Unkomplizierte Flugtaxis oder kleine Flugzeuge, die sich ähnlich unproblematisch handhaben lassen wie ein Auto, sind seit langem der Traum der Flugzeugkonstrukteure. Obwohl schon seit den Dreißiger Jahren immer wieder Prototypen gebaut und getestet wurden, ist die dauerhafte Markteinführung bisher gescheitert. In den letzten Jahrzehnten haben sich Luftfahrtexperten wieder stärker für dieses Konzept interessiert, allerdings nicht so sehr mit Blick auf das garagentaugliche Privatflugzeug, mit dem man auch auf der Straße fahren kann. Das Ziel sind vielmehr kleine Flugzeuge für zwei bis sechs Personen, die die Straße entlasten, indem sie einen Teil des Individualverkehrs in die Luft verlagern.

Erstflug des Lilium Jets

Der zweisitzige Entwicklungsträger kurz nach dem Start zum unbemannten Erstflug des Lilium-Jet

Der zweisitzige Entwicklungsträger kurz nach dem Start zum unbemannten Erstflug des Lilium-Jet

Die neueste Entwicklung in diesem Feld kommt aus Bayern. Am 20. April 2017 absolvierte der Lilium Jet der gleichnamigen Firma seinen Erstflug. Das kleine Flugzeug bietet Platz für bis zu fünf Passagiere und wird komplett elektrisch angetrieben. Es ist also nicht nur das erste Düsenflugzeug, dessen kleine Fans mit Strom laufen, sondern auch der erste elektrische Senkrechtstarter der Welt. Der Lilium Jet stieg auf, ging vom Schwebeflug in den Geradeausflug über. Dann flog er eine Platzrunde und landete wieder. „Zu sehen, wie der Lilium Jet abhebt und komplizierte Manöver mit einer solchen Leichtigkeit fliegt, ist phantastisch. Es spiegelt die herausragende Leistung und Ausdauer unseres großartigen Teams wider. Wir haben einige der kniffligsten Herausforderungen der Luftfahrt-Ingenieurwissenschaft gelöst, um an diesen Punkt zu gelangen“, sagte Daniel Wiegand, einer der Gründer von Lilium und zur Zeit CEO des jungen Unternehmens.

Eine neue Art Luftverkehr

Blick aus der Kamera in der Tragflächenspitze zum Rumpf. Deutlich ist das Klappensystem für die kleinen, elektrisch betriebenen Lilium Jets zu sehen

Blick aus der Kamera in der Tragflächenspitze zum Rumpf. Deutlich ist das Klappensystem für die kleinen, elektrisch betriebenen Lilium Jets zu sehen

Lilium will nun aus dem Prototypen ein vollwertiges Passagierflugzeug machen. Den Erstflug machte ein Prototyp mit Platz für zwei Personen, allerdings mit dem vollständigen Antriebssystem. Der Lilium Jet ist ein Leichtflugzeug; den Antrieb liefern 36 elektrische Jet-Turbinen, die in den Flügeln untergebracht sind. Ihr Luftstrom wird über Klappensysteme reguliert, sodass die Maschine vom Schwebeflug in den Geradeausflug und wieder zurück in den Schwebeflug wechseln kann. Diese Systeme sorgen auch dafür, dass der Ausfall einer oder mehrerer Turbinen ausgeglichen werden kann. Zum Starten und Landen reicht ein kleiner, offener Platz oder spezielle Landefläche

Beim Start sind die Klappen senkrecht nach unten gerichtet und erzeugen so Auftrieb. Nach dem Abheben bewegen sie sich langsam in in eine horizontale Position. So entsteht der Vorwärtsschub, der das Flugzeug antreibt. In der komplett horizontalen Position erzeugen sie zudem den Auftrieb, der das Flugzeug in der Luft hält. Die Konstrukteure haben großen Wert auf Sicherheit gelegt. Der Lilium Jet bietet also einen Sicherheitsstandard, wie man ihn auch von modernen Verkehrsflugzeugen kennt. So können die Batteriezellen auch dann noch genug Leistung für eine sichere Landung erzeugen, wenn ein Teil des Batteriesystems ausfällt. Zudem ist die elektronische Flugsteuerung so ausgelegt, daß sie den Piloten daran hindert, Manöver zu fliegen, die zum Verlust der Kontrolle, strukturellen Schäden oder zum Absturz führen würden.

Flugtaxi per App rufen

Route (und Preis) eines Lilium-Jet-Flugtaxis vom New Yorker John-F-Kennedy-Airport nach Manhattan (Blau), im Vergleich dazu (Rot) der Weg, den ein Bodentaxi nehmen müsste. Das Flugtaxi ist deutlich preiswerter – zumindest in der Modellrechnung.

Route (und Preis) eines Lilium-Jet-Flugtaxis vom New Yorker John-F-Kennedy-Airport nach Manhattan (Blau), im Vergleich dazu (Rot) der Weg, den ein Bodentaxi nehmen müsste. Das Flugtaxi ist deutlich preiswerter – zumindest in der Modellrechnung.

Zudem kann der Lilium Jet auch autonom fliegen. Das Lilium-Team um Daniel Wiegand stellen sich ein Verkehrsnetz vor, in dem Passagiere ihr Flugtaxi per App über ihr Tablet oder ihr Smartphone buchen können. Fliegen soll für jeden erschwinglich sein und nicht nur für die, die sich ein eigenes Flugzeug leisten können.

Im Flug verbraucht der Lilium Jet pro Kilometer etwa so viel Strom wie ein elektrisches Auto. Lilium erwartet daher, dass die Kombination von minimaler Infrastruktur am Boden und energieeffizienten Fliegen, einen Flug-Taxi-Dienst über ähnliche Distanzen wie Boden-Taxis auch zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten zu können.

Die Gründer von Lilium Aviation: (von links nach rechts): Daniel Wiegand, CEO; Sebastian Born, Head of Mechanics; Matthias Meiner, Head of Flight Control; Patrick Nathen, Head of Aerodynamics.

Die Gründer von Lilium Aviation: (von links nach rechts): Daniel Wiegand, CEO; Sebastian Born, Head of Mechanics; Matthias Meiner, Head of Flight Control; Patrick Nathen, Head of Aerodynamics.

Ein Taxiflug vom New Yorker John F. Kennedy-Airport nach Manhattan würde danach also nur fünf Minuten dauern und genauso viel kosten wie die Taxifahrt über die gleiche Distanz, die 55 Minuten dauern würde. Das Lilium-Team strebt beim fertigen Lilium Jet eine Reichweite von über 300 Kilometern bei einer Reisegeschwindigkeit von etwa 300 Kilometern pro Stunde an.

Daniel Wiegand gründete Lilium im Jahre 2015 zusammen mit drei Mitstudenten von der Technischen Universität München. Inzwischen arbeiten 40 Ingenieure für das kleine Unternehmen.


Bildnachweis: © Lilium Jets

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Über Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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