Neue Kommunikationssatelliten aus Deutschland: Erster „SmallGeo“-Satellit ist im All

Hispasat 36W-1 ist der erste Satellit einer neuen Generation, die kompakter, leichter und leistungsfähiger sein soll als ihre Vorgänger. Die Satelliten dieser neuen Serie firmieren unter der Bezeichnung „SmallGeo“. Entwickelt hat sie ein europäisches Konsortium unter Führung des in Bremen ansässigen Raumfahrtunternehmens OHB Systems. „SmallGEO“ wiegt knapp drei Tonnen, etwa die Hälfte gängiger Modelle. Zudem ist die Konstruktion modular, sodass sie schnell an andere Zwecke angepasst werden kann. Der Satellit ist auch in anderer Hinsicht ein Novum. Zum ersten Mal seit zwanzig Jahren wurde wieder ein Telekommunikationssatellit komplett in Deutschland entwickelt, getestet und produziert.

Start von Kourou

Hispasat startet an der Spitze einer altbewährten Sojus-Trägerrakete ins All.  (#1)

Hispasat startet an der Spitze einer altbewährten Sojus-Trägerrakete ins All. (#1)

Hispasat 36W-1 startete am 28. Januar 2017 um 2.03 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana. Als Trägerrakete diente eine russische Sojus-Rakete, die Hispasat 36W-1 eine halbe Stunde nach dem Start auf seine Transferbahn in den höheren Orbit brachte.

Der Satellit soll für den gleichnamigen spanischen Telekommunikationsanbieter die iberische Halbinsel, die Kanarischen Inseln und Südamerika mit Multimediadiensten versorgen. Er wird rund fünf Wochen brauchen, um seine vorgesehene Position in 36 000 Kilometern Höhe zu erreichen.

Die Trägerrakete auf dem Weg zur Startrampe. (#2)

Die Trägerrakete auf dem Weg zur Startrampe. (#2)

In dieser Höhe, dem so genannten geostationären Orbit, kreisen viele Kommunikationssatelliten. Sie bewegen sich mit der Erdrotation, was bedeutet, dass sie scheinbar immer über derselben Region auf der Erde stehen und so eine ständige Abdeckung gewährleistet ist. Steuerung und Kontrolle sowie die nötigen Tests übernehmen zunächst Ingenieure und Wissenschaftler des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums (GSOC) beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen (DLR) und in der Bodenstation in Weilheim.

„In der ersten Phase überprüfen wir intensiv die Funktion der Satellitenplattform und bringen den Satelliten auf seine geostationäre Umlaufbahn. Im Anschluss daran folgen die In-Orbit-Tests, die vor allem Nutzlasttests mit den Transpondern und Antennen umfassen, bevor der Satellit dann nach einigen Wochen an das Kontrollzentrum des spanischen Satellitenbetreibers Hispasat bei Madrid übergeben wird“, erklärt Thomas Kuch, Abteilungsleiter für den Missionsbetrieb im DLR. Hispasat 36W-1 wird rund 15 Jahre im All bleiben.

Video SmallGeo

„SmallGEO“ ist Teil einer neuen Satellitengeneration

Als Flugkörper kaum zu erkennen – Hispasat bei Tests zur Feststellung der Raumflugtauglichkeit. (#3)

Als Flugkörper kaum zu erkennen – Hispasat bei Tests zur Feststellung der Raumflugtauglichkeit. (#3)

Der von OHB Systems produzierte Satellit hat eine neuartige Kommunikationseinheit mit einer besonders großen Bandbreite von Frequenzen an Bord. Außerdem verfügt diese Einheit über eine neue Ansteuerungskomponente und drei Leistungsverstärker. So kann die Leistungsintensität gesteigert oder verringert werden, was bisher nicht möglich war.

„SmallGEO“ ist eine eigene Produktlinie. Neben den neuen Kommunikationssatelliten für Hispasat gehören dazu auch die derzeit im Bau befindlichen europäischen Meteosat-Wettersatelliten der dritten Generation. Deren erster Satellit soll noch dieses Jahr starten. Weitere Anwendungen sind das europäische Datenrelaissystem EDRS, dessen erster Satellit im vergangenen Jahr ins All geschossen wurde.

Techniker bei Testvorbereitungen am Satelliten in der Thermal- und Vakuumkammer. (#4)

Techniker bei Testvorbereitungen am Satelliten in der Thermal- und Vakuumkammer. (#4)

EDRS ist eine Satellitenformation, die untereinander über Laser in Verbindung steht. Hinzu kommt die „Heinrich Hertz“-Mission, die für 2020 geplant ist. Auf diesem Satelliten sollen neue Technologien zur Kommunikation im All erprobt werden.

Zur Zeit enthält das vorgesehene Testprogramm rund 20 Experimente zur Kommunikations-, Antennen- und Satellitentechnik.


Bildnachweis: © #1 + #2 ESA, Titelbild + #3 + #4 DLR

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Über Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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