Apollo 11-Dokumentationen im Web: Über die weiteste Reise der Geschichte

Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit – der Flug von Apollo 11 hat viele bekannte Zitate hervorgebracht. Dieser Satz von Neil Armstrong fasst den historischen Flug wohl immer noch am besten zusammen. Die Spuren auf dem Mond können wir uns leider nicht ansehen. Aber dafür hält das World Wide Web jede Menge interessantes Material bereit. Also habe ich mich ein bisschen umgesehen und zeige Euch hier ein paar Fundstücke.

Kein schnittiger Flitzer, dafür aber funktional: Die Apollo-11-Landefähre „Eagle“, aufgenommen aus dem Raumschiff „Columbia“. (#1)

Kein schnittiger Flitzer, dafür aber funktional: Die Apollo-11-Landefähre „Eagle“, aufgenommen aus dem Raumschiff „Columbia“. (#1)

Adam Young

Der Komponist Adam Young hat den Soundtrack zum größten Abenteuer der Menschheit geschrieben. Hier ist er zum Anhören und Herunterladen.

Houston, Tranquility Base here. Eagle has landed. Mit diesen Worten meldete Astronaut Neil Armstrong am 20. Juli 1969 die erfolgreiche erste Landung auf dem Mond.

Vier Tage vorher, am 16. Juli, waren die drei Astronauten Neil Armstrong, Edwin „Buzz“ Aldrin und Michael Collins an der Spitze einer Saturn V-Trägerrakete zum Mond gestartet.

Die Apollo-Flüge vor Apollo 11

Nachdem Apollo 9 das Tandem aus Apollo-Raumschiff und Landefähre in der Erdumlaufbahn getestet hatte und Apollo 10 erstmals den Mond umrundet hatte, war die Aufgabe von Apollo 11 nun die eigentliche Mondlandung. Michael Collins blieb im Raumschiff Columbia zurück und führte eine photographische Erkundung der Mondoberfläche durch. Armstrong und Aldrin dagegen landeten mit der Landefähre Eagle im Mare Trinquilitatis, dem Meer der Stille.

Die Besatzung von Apollo 11: (von links) Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin 'Buzz' Aldrin. (#5)

Die Besatzung von Apollo 11: (von links) Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin ‚Buzz‘ Aldrin. (#5)

Das Mondflug-Gespann bestand eigentlich aus vier Komponenten. Columbia bestand aus dem Servicemodul mit Triebwerk, Lebenserhaltung, Energiezellen und Kommunikation, und der Rückkehrkapsel, die schließlich die Astronauten sicher zur Erde zurück bringen sollte. Eagle, die Landefähre, war ebenfalls zweistufig. In der Unterstufe befanden sich das Triebwerk für die Landung sowie die spinnenartigen Landebeine. Die Oberstufe, in der die Besatzung untergebracht war, hatte ein eigenes Triebwerk für den Rückflug zur Columbia in der Mondumlaufbahn. Die Unterstufe blieb auf dem Mond zurück, die Oberstufe wurde nach der Rückkehr der beiden Astronauten in den Mondorbit ebenfalls zurückgelassen.

Im Anflug auf das Meer der Stille

Start von Apollo 11 an der Spitze einer 110 Meter langen Saturn V-Rakete. Das Raumschiff mit den drei Astronauten saß an der Spitze, direkt darunter hinter einer aufklappbaren Verkleidung die eigentliche Mondfähre.  (#6)

Start von Apollo 11 an der Spitze einer 110 Meter langen Saturn V-Rakete. Das Raumschiff mit den drei Astronauten saß an der Spitze, direkt darunter hinter einer aufklappbaren Verkleidung die eigentliche Mondfähre. (#6)

Ganz dicht ans Erlebnis des Landeanflugs bringt einen diese Online-Präsentation mit Originalaufnahmen und Audios. Wer will, kann hier den Anflug der Apollo 11-Landefähre „Eagle“ hier Minute für Minute nacherleben. Filmaufnahmen zeigen, was Neil Armstrong und Edwin Aldrin aus den Fenstern der Fähre sehen konnten. Im Audio ist der Funkverkehr zwischen der Apollo-Besatzung und der NASA-Zentrale in Houston zu hören.

Im Zeitalter von Drohnen, die über extrem große Entfernungen gesteuert werden, von unbemannten Raumsonden, die auf Kometen oder fremden Planeten landen, bekommen die Stimmen mehr Gewicht, die sich dafür aussprechen, die Raumfahrer auf der Erde zu lassen. Immerhin muss man für sie eine aufwendige Technik und zahlreiche Versorgungsgüter von Luft und Wasser über aufbereiteter Nahrung bis hin zu speziellen Toiletten und Abfallbehältern mitnehmen. Das teuerste an der bemannten Raumfahrt ist die Besatzung, die in einer absolut lebensfeindlichen Umgebung überleben muss.

Das mag für sehr lange Raumflüge richtig sein, die wohl noch länger jenseits des technisch machbaren und vor allem medizinisch vertretbaren liegen. Aber gerade der Flug von Apollo 11 zeigt auch, dass eine Besatzung in der Lage ist, eine vom Scheitern bedrohte Mission durch schnelle Entscheidungen zu retten.
So wäre die Landung von „Eagle“ beinahe in einer Katastrophe geendet. Bedingt durch kleine, unbeabsichtigte Bahnänderungen während des Abkoppelns vom Mutterschiff „Columbia“ flog der Bordcomputer eine etwa 4, 5 Kilometer hinter dem eigentlichen Landplatz gelegene Stelle an. Außerdem gab der Navigationscomputer beim Abstieg mehrmals Alarmmeldungen, um die sich Armstrong und Aldrin kümmern mussten. Der Grund dafür war ein schlichtes Versehen. Entgegen dem Flugplan war nicht nur das Lande-Radar zur Überwachung des Geländes aktiv, sondern auch das Kopplungsradar für die Rendezvous mit dem Apollo-Schiff in der Umlaufbahn. Also bekam der Bordcomputer der Landefähre „Eagle“ mehr Daten, als er verarbeiten konnte.

Neil Armstrong schoss dieses Foto von seinem Teamkameraden Edwin 'Buzz' Aldrin.  (#2)

Neil Armstrong schoss dieses Foto von seinem Teamkameraden Edwin ‚Buzz‘ Aldrin. (#2)

Wegen dieser Schwierigkeiten konnte Armstrong, nicht in dem eigentlich vorgesehenen Maße die Mondoberfläche beobachten. Der Autopilot führte „Eagle“ in ein Geröllfeld voller großer Felsen. Armstrong sah zum Glück rechtzeitig, was passierte, und übernahm die Handsteuerung. Er flog „Eagle“ zu einer ebenen Stelle etwa 500 Meter weiter westlich und ging dort mit dem letzten Raketentreibstoff nieder. Armstrong und Aldrin bereiteten einen Alarmstart vor, falls eines der Landebeine oder die Oberstufe beschädigt worden war.

Eine unbemannte Sonde hätte in dieser Situation eine Bruchlandung gemacht. So geschehen bei der Landung der Kometensonde „Philae“ auf dem Kometen 67P, die von der Raumsonde Rosetta abgesetzt worden war.

Schritte auf dem Mond

Neil Armstrong, aufgenommen in der Landefähre, betrat als erster Mensch einen fremden Himmelskörper. (#4)

Neil Armstrong, aufgenommen in der Landefähre, betrat als erster Mensch einen fremden Himmelskörper. (#4)

Armstrong und Aldrin blieben rund 22 Stunden auf dem Mond. Allerdings brauchten sie nach der Landung allein drei Stunden, um ihre Raumanzüge anzulegen. Sie stellten Messinstrumente zur Untersuchung des Sonnenwindes, also des Stroms elektrisch geladenen Teilchen, den die Sonne ständig ins All schleudert, zur Überwachung von Mondbeben, und einen Laserreflektor auf.

Der Reflektor kann bis heute für die präzise Messung der Entfernung Erde-Mond per Laser angestrahlt werden. Außerdem sammelten sie 21 Kilo an Bodenproben und fotografierten den Landeplatz und seine Umgebung gründlich. Ihr Ausflug auf die Mondoberfläche dauerte rund zweieinhalb Stunden.

Kein Raumpilot ohne Sonnenbrille: Edwin Aldrin in der Apollo-11-Landefähre. (#3)

Kein Raumpilot ohne Sonnenbrille: Edwin Aldrin in der Apollo-11-Landefähre. (#3)

Kurz vor dem Start zum Rückflug bemerkte Aldrin, dass der Hebel eines Schalters abgebrochen war, während ein anderer nicht in der vorgeschriebenen Position war. Offenbar hatte er beim Umziehen mit seinem Atemtornister das Instrumentenbrett gestreift. Nach hektischen Konferenzen mit den Experten auf der Erde nahm Aldrin einen Filzstift, um den Schalter zu betätigen.

Der Start verlief dann ohne Probleme. Vier Stunden später koppelte Eagle an das Mutterschiff Columbia an, und die beiden Astronauten stiegen um. Eagle wurde abgestoßen, waren Columbia Kurs auf die Erde nahm. Insgesamt hatte das Mutterschiff dreißig Mal den Mond umkreist.

Am 24. Juli landete die Kommandokapsel, an drei großen Fallschirmen hängend, im Pazifik. Aldrin, Armstrong und Collins wurden vom Flugzeugträger USS Hornet an Bord genommen, ebenso die Raumkapsel. Sie ist heute im National Air and Space Museum in der US-Hauptstadt Washington ausgestellt.

Apollo 11 im World Wide Web

FAZ: Funkverkehr der Astronauten

Wer diesen historischen Flug des US-amerikanischen Mondprogramms nacherleben möchte, findet im Netz eine Menge Material. So hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung Audio-Dateien mit dem Funkverkehr der Astronauten mit ihrer Leitzentrale in Houston/Texas ins Netz gestellt.

Mitschnitte Funkverkehr der Astronauten auf YouTube

Auf YouTube findet sich eine aus Originalaufnahmen bestehende Dokumentation des historischen ersten Mondfluges. Der Soundtrack besteht aus Mitschnitten des Funkverkehrs.

NASA: Bilder und Videos vom Missionsverlauf

Natürlich hat es sich die US-Raumfahrtbehörde NASA nicht nehmen lassen, ihre wohl spektakulärste Mission online zu dokumentieren. Die Themenseite der NASA liefert einen Überblick über den Mondflug mit Bildern und Videos, sowie dem zeitlichen Ablauf der Mission.

David Whelan auf Kickstarter: VR-Reise zum Mond für die Spielekonsole

Wer den historischen Mondflug möglichst authentisch nacherleben möchte, wird auf Kickstarter fündig. Der US-Amerikaner David Whelan hat die Crowdfunding-Seite genutzt, um für eine virtuelle Reise zum Mond Geld zu sammeln. Auf diese Weise kamen 36.623 Euro zusammen.

Diese VR-Präsentation ist inzwischen fertig und kann im Netz für die eigene Spielekonsole heruntergeladen werden.

Zur Verfügung stehen Versionen für Oculus und Steam VR, die Playstation-Version ist bisher nur angekündigt.

We choose the moon

Auch sehr schön ist diese VR-Präsentation der Mission mit Videos und Audios der wichtigsten Stationen.

Man kann hier per Mausklick von einer Station der Mission zur nächsten springen und nimmt auf diese Weise am Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida teil, am Verlassen der Erdumlaufbahn Richtung Mond und schließlich am Anflug der Mondfähre „Columbia“ auf den geplanten Landepunkt im Meer der Stille. Dann kann man Armstrong und Aldrin bei ihrer Erkundung des Mond begleiten und danach zum Rückflug abheben.


Bildnachweis: © Titelbild + #1 + #2 + #3 + #4 + #5 + #6 NASA

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Über Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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